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Predigten

Einer guten Predigt hört man gerne zu.

Und liest sie gerne nach. Deshalb empfehlen wir an dieser Stelle verschiedene Predigten aus der Posaunenarbeit.

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Musik - die Sprache der Seele

Geistliches Wort zur Bläserstunde am 6. Juni 2010 in der Apostelkirche in Bochum-Querenburg

Der Friede Gottes sei mit uns allen. Amen
Liebe Schwestern, liebe Brüder hier zur musikalischen Feierstunde,
„Musik, das Lied ist die Muttersprache von uns Menschen“, so hat es einmal Lord Yehudi Menuhin gesagt, der sein Leben als Geiger der Musik gewidmet hat. Er war zutiefst davon überzeugt, dass die Musik die guten Kräfte des Lebens in uns Menschen weckt. Wer singt und spielt, weckt und fördert die schöpferischen Kräfte des Lebens. Wer singt und spielt, der tritt der Geistlosigkeit von Egoismus und Gewalt entgegen. So ist es dieser Gedanke, der bspw. der Stiftung Il canto del mundo (ein Lied für die Welt) zugrunde liegt, die der besagte Yehudi Menuhin gegründet hat. Auch das Projekt das gegenwärtig von Daniel Barenboim mit seinem internationalen Jugendorchester verfolgen wird, steht dafür. Musik stiftet Gemeinschaft, Musik baut Brücken, Musik und Singen bringt uns mit den guten Kräften des Lebens in Verbindung. Dafür steht auch dieser Nachmittag mit der musikalischen Gestaltung  des Posaunenchores, wo jeder und jede von uns spürt: Das klingt nicht nur gut, dass tut uns gut, wenn wir solche Klangoasen für Leib und Seele suchen und finden und Ihnen Raum geben. Das hat doch eine andere Qualität als mancher Musik, der man in unserer Zeit als permanenten Hintergrund , z.B. in Kaufhäusern oder durch die Ohrhörer von Mitreisenden fast unentrinnbar nervend ausgeliefert ist. Die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Musik führt /verführt dazu, das in unserer Gesellschaft immer weniger Menschen selbst als Musik schaffende sondern vielmehr als Musik konsumierende, also passiv und nicht aktiv der Musik gegenüber stehen. Auch das ist eine Tendenz, über die manche Castingshows und auch der Hype um das Lied von Oslo von Lena Meyer Landrut nicht hinwegtäuschen können.Musik schafft Gemeinschaft

„Singet dem Herrn, ein neues Lied, denn er tut Wunder!“, ruft Psalm 98,1 durch die Zeit dazu auf, dem Glauben, der Hoffnung und der Liebe das beste aller Ausdrucksmittel zu geben., zu singen und zu spielen, um darin mit der Welt Gottes in Berührung zu kommen. Offensichtlich liegt sie, diese Welt des Wunderbaren nach der Überzeugung des Psalms nur ein Lied weit entfernt, dass ich anstimmen kann, mit dem ich eintrete in eine neue Dimension meines Daseins, ganz unmittelbar mit dem Grund meines Daseins in Kontakt trete.
Worin liegt also tiefer gefragt, das Besondere das Einzigartige der Musik und des Liedes als Teil dieses Ganzen?

Nach biblischer Überzeugung ist die Musik im Lied und im Instrumentenspiel eine Schöpfungsgabe des Anfangs, eine der wenigen Fähigkeiten , die uns auch nach dem Auszug aus dem Paradies, jenseits von Eden sozusagen erhalten geblieben ist:
Am Anfang war das Wort sagt der Evangelist Johannes und erinnert mit seinem Hymnus vom Logos, dem Wort in seiner breiten Bedeutung, auch an den schöpferischen Urklang. Höre ich daraus, dass das Wort Gottes ein erster Klang vielleicht Musik in den Ohren des Chaos war, so dass sich die Schöpfung ordnete: In Ganze, Halbe, Viertel, Achtel, Sechzehntel, um so das Maß des Lebens und der Zeit und die Gestalt des Kosmos zu formen, wie eine Melodie, auf eigenen Notenlinien zwischen Himmel und Erde, im Wasser, an Land, in der Luft, bis zu den feurigen Gestirnen. Es „werde“ heißt es am Anfang; am Anfang ein Klang, eine Schwingung, ein Ton. Der Herr der Welt ordnet alles zu einem harmonischen Gefüge: Der erste Ton- als Quelle und Ursprung in der Einheit, ein Gedanke der im Mittelalter Gestalt gewinnt und auf einem der cluniazensischen Kapitele - also der gestalteten Säulenabschlüsse dagestellt ist: Das Ethos der Tonarten. So haben die Schöpfungswerke ihren je eigenen Klang, unverwechselbare Namen: Gott nennt: – Das Vollkommene ist Musik/Poesie in seinem Sinn: Siehe, es war sehr gut.

So wird das Lied, der Hymnus zum Ausdrucksmittel, um angemessen Gottes Reden und Handeln zu beschreiben, Erfahrungen für die Sprache, in denen Worten allein nicht ausreichen; Freude und Leid, Klage und Trauer verlangen noch nach tieferen und unmittelbareren Ausdrucksmitteln, die unmissverständlicher sind. Musik ist ein Schatz, den der Schöpfer den Geschöpfen als Zugabe ihres Lebens geschenkt hat. Ein Medium einander zu begegnen, zu berühren, zu finden, Sehnsucht zu wecken und zu erfüllen. Körper, Geist und Seele werden im Singen und Musizieren zu einer neuen Einheit: Himmel, Erde, Luft und Meer der Grundstoff aus dem die Töne sind.

An den Bedeutungspunkten ihres Lebens beginnen Menschen sich mit Musik im Lied und Spiel der Instrumente auszudrücken. Das ist kein Zufall, sondern in der Musik hat die Seele ihre Sprache gefunden: Musik ist die Seele der Sprache heißt es. Darin kommt ungeschminkt zum Ausdruck, wie es mir geht. Wer singt und spielt, der ist in ein und demselben Moment ganz bei sich und doch auf sehr expressive Weise auch ganz außer sich, so dass es andere Menschen hören und wahrnehmen können, berührt und bewegt werden und spüren: Dort geschieht etwas Bedeutsames! – Denken wir nicht Musik sei nur eine angenehme Nebensache. Selbst im Königreich der Nacht, wie Elie Wiesel Auschitz genannt hat, wurde musiziert, spielte ein jüdisches Orchester um sein Leben.

Musik dient also auch dazu die Erschütterung unseres Lebens in Freude und Traurigkeit, in Klage und Sehnsucht zum Ausdruck zu bringen. Das tat die singende und tanzende Miriam nach dem Durchzug durch das Schilfmeer, dass tat König David vor Saul, dass tat Maria, die Mutter des Glaubens mit Ihrem Lobgesang des Magnificat, das tat Christus selbst, wenn es heißt, dass er nach dem Abendmahl mit seinen Jüngern den Lobgesang anstimmt. Ohne Musik, ohne Singen, ohne das Lied, in dem unsere Seele und Herz mitschwingt, lebten wir nur im Stand by.
Darum also der ungebrochen gültige Aufruf: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Ich höre diese Ermunterung immer neu und immer wieder das Lied des Glaubens und der Hoffnung anzustimmen, nicht nur als Antwort als Reaktion auf Gottes handeln, ihm die Ehre zu geben, ich höre diesen Aufruf auch als einen Weg, dass Wunderbare in unserem Leben zu provozieren, herauszufordern, die Wirklichkeit, die wir manchmal für beklagenswert und würdig halten nicht sang- und klanglos unserem Kleinglauben auszuliefern. „Wer singt, betet dopplet, sagt Augustin“, der große Kirchenvater und ich denke an die großen Traditionen der Spiritual und Gospel und Ihrer Quellen in der Sklavenzeit Amerikas: Da haben Menschen, die überhaupt kein Recht auf Selbstbestimmung hatten, gesungen und gespielt, sich Räume der Freiheit erhalten, die mit der Gewalt der Mächtigen nicht anzutasten waren, die aber selbst die Macht hatten, das diese geknechteten Menschen wussten: We shall overcome – Das ist ja ein Auferstehungslied, wo die Erinnerung an Gottes rettendes und befreiendes Handeln, die Gegenwart zur Hoffnung inspiriert. Das neue Lied hat es immer auch mit dieser Auferstehungsqualität zu tun, wo der Bereich, in der sich das Leben verwandelt, der "wind of change", der Geist der Veränderung im Hauch des Tones piano oder forte, dur oder moll hörbar wird.

„Singt dem Herrn ein neues Lied, das war auch ein Motto“, der Kirche der Reformation. Mit der singenden, spielenden, Gemeinde wurde programmatisch das Priestertum aller Glaubenden gelebt. Das Gemeindelied, der Gemeindegesang wird zu einem Hauptanliegen, ist Aufbruch und Antwort des Glaubens, schärft und formuliert Hoffnung, erzieht und fördert die Einsicht in das, was mein Leben trägt, wozu ich selbst berufen bin und wovon ich Zeugnis geben kann. Die singende Kirche bis in die Gegenwart - und ich denke an die Pflege des Gesangs auf den Kirchentagen-, die singende Kirche sorgt mit dafür, dass wir in Glaubensdingen, sprach- und hör- fähig bleiben. Nur die singende Kirche bleibt auch die pfingstlich, geistbewegte Kirche, wo der Geist Gottes, seine "Ruach" (hebr. Wind), sein Windhauch im Klang und Ton raumgreifend werden: Denn er tut seine Wunder auch, indem er seine Stimme, sein Wort mit unseren Melodien verbindet und mitten in der Musik, im Lied ein Raum des Unmittelbaren entsteht, wo wir am Wahren und Wirklichen Anteil gewinnen.

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“, daran habt auch ihr Bläser Anteil, noch einmal spezialisiert durch Psalm 150, dem Schlusstein des Gotteslobs der Psalmen: Darin sozusagen fast sakramental die Einsetzungsworte für die Posaunenchöre: Lobet ihn mit Posaunen. Wir hören darin unsere Berufung zum klingenden Zeugendienst, zur Ehre Gottes und dem nächsten zur Freude und zur Erbauung. Seit dem 19. Jhd. ist das eine große evangelisch-missionarische Bewegung geworden, in der sich bis heute weit über hunderttausend Bläser finden, quer durch alle Generationen und gesellschaftlichen Schichten, Frauen und Männer; für mich hat das etwas Ur-christliches. Auch die Landesposaunenfeste sprechen diese Sprache: Mit dem Lied, das von den Wundern Gottes erzählt nahe bei den Menschen sein. Dazu lade ich Euch auch schon heute ein, am 12. September in den Dortmunder Westfalenpark, innerhalb der Ruhr 2010 zum großen Posaunenchorfestival „Rühr mich an“, wo Posaunenchöre aus Westfalen, aus dem Rheinland und dem CVJM miteinander musizieren. Wozu? Dazu, dass hörbar und erlebbar wird: Singet dem Herrn, ein neues Lied, denn er tut Wunder!
 

Und seid ihr dabei? Gottes Lied wirbt um unsere Beteiligung, denn er will seine Wunder mit uns wirken – das ist wirklich eine gute Nachricht, das ist wirklich Grund genug für ein neues Lied.
Amen
 

 
 
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LOSUNG DES TAGES
Freitag, 28. April 2017
 
Gelobt sei Gott, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die ihm vertraut haben.
 
Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.

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