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Predigten

Einer guten Predigt hört man gerne zu.

Und liest sie gerne nach. Deshalb empfehlen wir an dieser Stelle verschiedene Predigten aus der Posaunenarbeit.

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Gottes Weinberg in der Welt

Andacht für den Projektchor "Brass for Peace" in Dauds Weinberg am 8. April 2010 nahe bei Bethlehem


Ihr Lieben,
Weinberg – das setzt bei mir Erinnerungen frei:
Mein Onkel in Ungarn hatte eine Weinberg: Den hat er gepflegt und gehütet. Oft ging er vor Sonnenaufgang zum Hacken und RFrühling-der Weinberg erwacht zum Lebeneben beschneiden in seinen Weinberg und kam spät nach Sonnenuntergang zurück. Dieser Weinberg war wie eine Geliebte, der er verfallen war. Meine Tante wusste: Gegen diese Geliebte war sie chancenlos. Den Weg zu seinen Weinberg fand mein Onkel mit verbundenen Augen – für Fremde war dieser Weg durch eine kleine Schlucht – unwegsam, unbeleuchtet und nicht ungefährlich. Mein Onkel ging ihn blind, manchmal wohl auch angetrunken – nie ist ihm etwas passiert. Es war für ihn ein Weg voller Verheißungen auf einen guten neuen Jahrgang. In den setze er allen Ehrgeiz rein. Der Weingarten meines Onkels war ein wunderbarer Ort, voller Frieden und einer Stille nur erfüllt vom Summen der Insekten, dem Ruf des Kuckuck aus dem nahen Wald oder dem Knacken von Zweige. Zwei Bäume standen darin: ein Baum, der oft übervoll von Aprikosen hing und einer mit Wallnüssen für den Herbst und Winter. Der Weinberg meines Onkels war wie ein kleines Paradies. Und ich konnte verstehen, dass ihn dieser Ort fast magisch anzog. Im glühend heißen Sommer bot ein kühler Weinkeller ins Tonerdreich getrieben eine angenehme Kühle. An den Weinberg meines Onkels denke ich noch heute, wenn ich mir einen Weinberg vorstelle.

 

 Ein Weinberg ist für unsere Bibel im AT und NT ein sehr wichtiger Ort: Er dienst dazu, uns exemplarisch ganz Grundlegendes zum Verhältnis von Gott und den Menschen zu erzählen. Besser als wir heute, wussten die Menschen früherer Generationen, was es heißt einen Weinberg zu besitzen und zu bearbeiten – so war der Weinberg ein wichtiges Synonym für ein Stück Lebensfülle:

 Ich denke an die Geschichte von Nabots Weinberg in Jesreel (1. Könige 21). Es ist die Geschichte eines furchtbaren Machtmissbrauchs und einer himmelschreienden Ungerechtigkeit: König Ahab neidete ihm diesen Weinberg und wollte diesen, der neben seinem Palst gelegen war, erwerben, um einen Gemüsegarten anzulegen. Doch Nabot mochte den Erbbesitz seiner Väter nicht einfach verkaufen. Etwas nicht zu bekommen, machte den König ganz krank. Isebel seine Frau ersann einen schrecklichen Plan. Sie ließ ein Fasten ausrufen, lud Nabot und andere ein und bot falsche Zeugen auf, die beschworen Nabot hätte Gott und dem König geflucht. Nabot wurde gesteinigt. Ahab nahm den Weinberg des Nabot in Besitz. Doch Gott schickte Elia zu Ahab und das Prophetenwort deckte den Mordplan auf: Mord und Ungerechtigkeit sollen vor Gott nicht verborgen bleiben. Das Recht des Stärkeren verliert bei ihm seine Macht.
Ich denke an das Gleichnis Jesu von den Arbeitern im Weinberg in Mt 20. Der Verwalter geht bis zur elften Stunde auf den Markt, sucht und findet Tagelöhner für den Weinberg und am Ende bekommen alle den gleichen Lohn – unabhängig, ob sie den ganzen Tag oder nur eine Stunde gearbeitet haben. Gottes Gerechtigkeit sorgt für das Lebensnotwendige – das Himmelreich denkt nicht im Akkord und Stechuhr – die Maßstäbe der Liebe stellen unsere Lohnvorstellungen heilsam auf den Kopf.
Und wir denken vielleicht an die bösen Weingärtner (Mt 21, 32), als Hinweis auf die Passion Jesu: Sie verweigern dem Eigentümer die Pacht, verprügeln die Abgesandten und Knechte und bringen schließlich den Erben um, um sich den Weinberg anzueignen. Gleichnishaft deutet Christus damit die Absicht der Oberen des Volkes, ihn zu beseitigen. Gottes Weingarten, das Reich Gottes wird auch den Völkern zuteil werden – dies ist ein Hinweis darauf, dass die Völker über Israel hinaus nicht vom Reich Gottes ausgeschlossen sind.
Besonders erinnert mich das Synonym des Weinbergs aber an das berühmte Weinberglied aus Jesaja 5:

 

Weinfest! Die Stimmung nähert sich dem Höhepunkt. Fröhliche Menschen, fröhliche Lieder, ausgelassen feiert die Gesellschaft den guten Jahrgang – es hat sich gelohnt: Die Weinkönigin strahlt mit Krone aus Weinranken, der Winzer des Jahres ist auch gekürt. Der Ertrag war gut – das Wetter passte. Absatzahlen und Bestellungen stimmen. Ja, wir können zufrieden sein: „Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat; hab nun Ruhe, iss und trink und habe guten Mut!“ – so hat es mancher vielleicht schon ein wenig Weinseelig gedacht. Darauf lasst uns anstoßen – „Le chaim“, wie man bei uns in Jerusalem sagt – zum Leben und Wohlsein. „So ein Tag, so wunderschön wie heute.“ Ja, lasst uns singen – ein Lied, wer singt uns ein Lied? Ein Lied voll Lebensfreude, ein Liebeslied, ja ein Liebeslied soll es sein, das wär gut, frei nach dem Motto Wein, Weib und Gesang. Wer singt uns ein Lied.
„Ich sing euch ein Lied!“ Einer steht auf. Dir fröhliche Gesellschaft kommt langsam zur Ruhe. Ja, lasst Jesaja singen. Ist mal was Neues, wenn er uns ein fröhliches, unbeschwertes Lied singt – der ernste Prophet, von dem manche sagen bierernst sei er – und Bier ist hier verpönt. „Welches Lied singst du uns Jesaja? Lass hören!“
„Wohlan, ich will meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg“ „Ein guter Auftakt“, raunen sich die Leute zu. „Ich wusste gar nicht dass unser Prophet sich auch bei den Liebesliedern auskennt“ „Liebeslieder, wieso Liebeslieder?“ fragt ein anderer. „Na du verstehst mal wieder gar nichts, hast wohl schon zu tief ins Glas geschaut!“ rempeln ihn die anderen an. „Freund und Weinberg, das muss du hintergründig hören, schon mal was vom Hohenlied gehört, da ist der Weinberg ein Bild für die Geliebte. Dieser Jesaja ist immer wieder für Überraschungen gut – na da bin ich gespannt – still es beginnt.“
Vielleicht können wir uns so ein wenig die Szenerie vorstellen. Die Stimmung auf Weinfesten ist uns vielleicht ja auch nicht ganz unbekannt. In solch eine gelöste Stimmung hinein singt und spricht Jesaja sein Lied vom Weinberg. Und die Anklänge machen klar: Hier ist nicht nur ein schöner Weingarten im Blick, da knistert es auch, gehört das Bild vom Weinberg doch auch zum Genre der erotischen Lieder. Fast so, als singe hier auch der Troubadour seiner Angebeteten ein Lied.

Wohlan, ich will meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg:
Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer festen Höhe. Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf das er gute Trauben brächte.“
Liebe Gemeinde! Alles ist bestens, nichts dem Zufall überlassen; ja werden sich die Leute gedacht haben: wer so handelt der versteht etwas vom Weinanbau – der taugt zum Winzer des Jahres; der hat es richtig gemacht im Leben, in der Liebe – Was soll da schief gehen? Doch nicht so schnell ihr Bürger von Jerusalem, ihr Leute der Landschaft Juda, hört weiter ihr Weinexperten mein Lied:
Und er wartete darauf, dass er gute Trauben brächte und wartete und wartete; aber er brachte schlechte! Schweigen ringsum! Merkwürdige Unruhe. Das Lied geht anders weiter als erwartet, ein Missklang, eine Disharmonie schleicht sich ein.
„Ihr wolltet es hören mein Lied! So hört weiter und richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Leute aus der Landschaft Juda, zwischen mir und meinem Weinberg!“
Nun meldet sich der Freund selbst zu Wort: Ein enttäuschter und getäuschter Liebhaber, der alles in seiner Macht stehende getan hat, nichts unversucht gelassen hat. Alle Liebesmüh vergeblich.
„So richtet!“, scharf gellt es den Anwesenden in den Ohren. Schluss mit lustig. Verschmähte Liebe, alles genommen, nichts gegeben: das ist bitter, wie schlechter saurer Wein, bei dem sich alles zusammenzieht. Eins ist klar: So geht es nicht weiter. So hört den Anklagegesang meines Freundes weiter:
„Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte.“
Ja, weiß Gott, es ist nicht zu verstehen. Noch einmal verstärkt der Freund im Lied sehr persönlich den Grund seiner tiefen Enttäuschung und Verletzung. Nein, so geht man nicht mit der Liebe eines Menschen um, im Weinberg nicht und nicht im Leben. Ja, sie ist gut zu begreifen die Wut des getäuschten Liebhabers – das hat er nicht verdient. Was soll das? Es ist klar, wem die Sympathien gelten - Jeder in der Runde weiß, das harte mühevolle Arbeit ihres gutes Lohnes wert sein sollte; alles andere riecht nach Betrug.
„Doch mein Lied ist noch nicht zuende“, stimmt Jesaja für den Freund an. Hört die Konsequenzen aus dem berechtigten Ärger meines Freundes:
„Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er wüstet werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. Ich will ihn wüst liegen lassen , dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen.“

„Und will den Wolken gebieten…?“ Wer, um Gottes willen ist dieser Freund, der den Wolken zu gebieten vermag. Still ist es in der vormals fröhlichen Runde geworden. Längst ist klar, dass hier mehr als ein Schwank auf dem Weinfest zum Besten gegeben wird. Was sie hören, klingt bitter, schmeckt wie eine verdorbene Mahlzeit, ist mitten in fröhlicher Runde der Katzenjammer nach durchzechter Nacht. Hinter Nebelschwaden dämmert es: Nicht irgendein Weinbauer, nicht irgendein enttäuschter Liebhaber fordert sein Recht. Gott hat sich eingemischt: Er ist der, der in Gestalt des Weinbauern, des Bräutigams alles, wirklich alles versucht hat. Und wo ihr das fröhliche Fest einer reichen Lese feiert, da geht er leer aus. Er wartet und wartet und wartet – Richtet selbst. Schal schmeckt der Wein.
Beklommenheit hat sich breit gemacht: Wenn Gott der Freund ist, wer ist dann der Weinberg, der seine Früchte verweigert? Wer ist die Liebste, die den Verehrer verschmäht und verspottet und ihn und seine Zärtlichkeit abweist. Doch nun hört auch die letzte Strophe, den Abgesang vom Lied des Freundes und seines Weinbergs auf den er nicht mehr regnen lassen will:
„ Des Herrn Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.“
 

 Wer mochte noch fröhlich weiter feiern nach diesem Abgesang des Propheten Jesaja in Jerusalem gut 700 Jahre vor Christi Geburt. So alt ist dieses berühmte Weinberglied, das changiert zwischen Wein, Liebes- und Prozesslied – genau so genial gestaltet, wie jene andere Geschichte vom Propheten Nathan, der in einem Gleichnis den König David aufbrachte gegen den Reichen der das einzige Schaf des Armen schlachtet, um den Ehebruch mit Bathseba aufzudecken: – Du bist der Mann, der so schändlich gehandelt hat (2 Samuel 12). Ihr seid die Leute – urteilt selbst.
Kein Lied von Gestern: Das Thema ist vertraut, die Motive variieren und sind doch bis heute nicht überholt, sondern höchst aktuell. Weil es in diesem Liebeslied um Beziehungen von Gott zu Menschen geht und zu Beziehungen untereinander. Es geht um, das, was Gott nicht ruhig bleiben lässt, wofür er den Aufstand des Lebens probt – durch alle Zeit. Kämen wir besser weg als die weinseligen Jerusalemer? Wohl kaum, denn es geht wohlgemerkt nicht um Produktivität, Absatzzahlen, Umsatzsteigerung und Konsum. Da hatten die Jerusalemer schon was vor zuweisen. Da waren auch sie keine Leute von gestern. Es geht um das, was unter der Oberfläche und hinter den Fassaden ist; es geht darum, wie fruchtbar unser Leben in Punkto Solidarität, Mitgefühl, im Füreinander-Eintreten ist, - darin, den anderen nicht sich selbst zu überlassen – die Egomanie auch unserer Zeit zu durchbrechen. „Wie leben wir?“ Der Prophet Jesaja lässt nicht locker, wenn es um diese Erinnerung geht, weil sie Voraussetzung für fruchtbares gelingendes Leben ist, ein Überwindung der Eigenzentrierung, wo sich alles um mich dreht.
Jeden Tag geschieht im Heiligen Land – Unheiliges, das was den Weinberg Gottes verwüstet. Manchmal denke ich: Gott muss uns gar nicht strafen, wie es der Prophet andeutet, denn sein Lied wird ja zur Gerichtsandrohung. Vielleicht ist das schon Strafe genug, wenn Gott uns einfach so weiter machen lässt wie bisher.

Aber das dies eben keine Alternative für Gottes Güte ist, dass macht er mit seiner Liebesgeschichte in Jesus Christus für die Ewigkeit klar. Er begegnet Menschen, um sie aus unfruchtbaren, heillosen Lebensbeziehungen zu befreien. Nicht von ungefähr leuchtet im Johannesevangelium Jesjas altes Weinberglied auf, wenn Christus sagt: „ich bin der wahre Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Gott hält an uns fest, damit wir einander Halt geben können. So sind wir gerufen, das Leben in jeder Beziehung zu fördern und nicht zu mindern.
Ihr Lieben, wir sind die beste Lage Gottes in dieser Welt! Wir sind es dann, wenn wir in Christus, in der Weise von Glaube, Liebe und Hoffnung geerdet bleiben, das unsere Kinder erfahren und von uns lernen können, wie wir gerecht, solidarisch, friedlich, achtsam, versöhnlich miteinander leben – gerade an den Plätzen, wo es nicht einfach sondern schwierig ist – wie auf dem Weg von Bethlehem nach Jerusalem. Wenn wir das wagen, dann sind wir Gottes beste Lage in dieser Welt, ein fruchtbarer Jahrgang, mit dem Geschmack nach Gerechtigkeit und Frieden.
Amen

 

 
 
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LOSUNG DES TAGES
Freitag, 28. April 2017
 
Gelobt sei Gott, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die ihm vertraut haben.
 
Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.

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