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Predigten

Einer guten Predigt hört man gerne zu.

Und liest sie gerne nach. Deshalb empfehlen wir an dieser Stelle verschiedene Predigten aus der Posaunenarbeit.

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Predigt im Gottesdienst auf der Okuli-Ratstagung - 6. März 2010 - des EPiD von Dr. Folkert Fendler

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.
Predigttext: Eph 5, 1-8a

„1 So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder 2 und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. 3 Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört. 4 Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung. 5 Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger - das sind Götzendiener - ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. 6 Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. 7 Darum seid nicht ihre Mitgenossen. 8 Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn.“

Liebe Schwestern und Brüder,
eine alte Legende erzählt: Ein König hatte drei Söhne. Als er alt wurde und merkte, dass er bald sterben müsste, wollte er seine Söhne auf eine Probe stellen, um zu sehen, welchem von ihnen er sein Königreich vererben sollte. Er führte sie in den größten Saal des Palastes, in dem die großen Festen stattzufinden pflegten, gab jedem einen Beutel voll Geld und sagte: "Füllt mir diesen Saal." Der erste, dem nichts gut genug war, kaufte Gold und brachte es in den Saal. Doch es war ein kleines Häufchen, den Saal füllen konnte es bei weitem nicht. Der zweite wollte daraufhin klüger sein: er kaufte Stroh, von dem er viel mehr als Gold bekommen konnte, und brachte es in den Saal. Doch selbst der große Haufen Stroh konnte den riesigen Saal kaum zur Hälfte füllen.Kirche der Nationen in Taizé

 

Da ging der dritte hin und kaufte eine Kerze, zündete sie an, und siehe da, das Licht der Kerze erhellte den Raum; ein klein wenig zwar nur, aber bis in den letzten Winkel. Da sah der König, welcher der Söh-ne der würdigste war und vermachte ihm sein Reich. –

Früher wart ihr Finsternis, ruft Paulus uns Christen zu, nun aber seid ihr Licht. Wir freuen uns spontan über dieses Lob. Ja, Licht wollen wir gern sein, leuchtendes Vorbild, Licht der Welt (das hat schon Jesus uns zugetraut), Licht, das man nicht unter den Scheffel stellen muss. Licht, das konkret wird in der Liebe. Es tut gut und motiviert, so gelobt zu werden.
Doch sogleich halten wir inne. Licht der Welt? Wir schauen uns um im Kreis unserer Mitchristen. Wir schauen vor allem uns selber an. Was bringen wir denn eigentlich mit, Licht der Welt zu sein? Was für ein Anspruch im Grunde genommen! Wir erinnern uns an manche Szene aus jüngster Zeit im Familien-kreis, auf der Arbeit, im Straßenverkehr und beginnen zu zweifeln, ob wir dieses Lob wirklich so unein-geschränkt verdient haben. Und schon fährt Paulus fort: Glasbild in Taizé
"Von Unzucht aber und jeder Art von Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört.“ Das ist es, was ich meine. Was bieten wir eigentlich der Welt, wo unterscheiden wir uns? Paulus findet ziemlich deutliche Worte, die bis in die Privatsphäre dringen. Widerspruch regt sich: Fernsehen, Videos, Internet, Zeitschriften – geht denn irgendjemanden etwas an, was wir in unserer Freizeit anschauen?

Okuli nostri: Worauf richten wir unsere Augen?
Mann oder Frau des Nächsten, Haus, Auto oder Position des Nächsten … Sind nicht wenigstens die Gedanken frei?
Okuli nostri: Worauf richten wir unser Augenmerk und unsere Anstrengungen?
„Ihr sollt nicht einmal darüber reden. Das gilt auch für unanständiges, dummes Gerede und für angeblich Witziges.“ Paulus ist eindeutig. Er weiß, dass der Übergang von Gedankenspielen zu Wortspielen flie-ßend ist. Und dass aus Wortspielen schon oft genug bitterer Ernst geworden ist. Darum stehen die Augen an Okuli auch nur als Teil für das Ganze. Es geht genauso um unsere Ohren: Was hören wir uns an? Um unsere Münder: Was sagen wir? Worüber reden wir? Um unsere Hände: Was fassen wir an? Was lassen wir liegen? Am Sonntag Okuli (und auch schon an seinem Vorabend) sind all unsere Sinne im Blick. Mit Haut und Haaren sollen wir in Jesu Nachfolge treten, mit Herz und Hand, mit Leib und Seele. Ja, eben nicht nur mit der Seele oder dem Herzen, sondern auch mit dem Leib und mit der Hand, mit unseren Augen. Paulus macht durch den heutigen Abschnitt aus dem Epheserbrief unser Tun stark. Er macht ziemlich klare Ansagen. Er möchte, dass Christen sich durch ihr Verhalten gegenüber ihrer Umgebung deutlich profilieren. Der Apostel zwingt dadurch zunächst mich, den Prediger, in seine Nachfolge. Apostel soll ich heute sein: Moralapostel. Eine Rolle, die ich eigentlich gar nicht so gern einnehme.
Und er bringt uns alle dazu, heute vor allem über unser Tun und Lassen nachzudenken. Womit versuchen wir, den großen Saal unseres Lebens zu füllen? Mit Gold? Mit Stroh? Mit vielen leeren Worten? Oder gehen wir gar nicht erst hinein, weil wir lieber unsere Ruhe haben wollen?
Götzendiener nennt Paulus diejenigen, die vor allem ihren Süchten und Begierden leben. „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott“. Gottesbild und Handeln gehören zusammen. Paulus jedenfalls kann das eine nicht ohne das andere denken. Er bewahrt uns so davor, allein die Ebene unseres Tuns zu be-trachten. Er bewahrt uns davor, uns allein in moralischen Appellen zu verlieren. Tu dies, lass jenes! Da könnten wir alle jetzt wortmächtig die Sünden der Zeit anprangern. Die Kirche selbst, evangelische und katholische liefert reiche Vorlagen. Und wir könnten auch sehr scharfsinnig, die subtilen Mechanismen beschreiben, mit denen wir uns in Grenzbereichen bewegen, und Manches rechtfertigen, was nicht zu rechtfertigen ist. Sollte Gott wirklich gesagt haben…? Ändern sich nicht fortwährend die Moralvorstel-lungen, ist das nicht sehr zeitgebunden, was Paulus hier von sich gibt? Wir sind wirklich gut im Diskutieren und Relativieren.
Nur, dass Paulus sich darauf gar nicht einlässt. Götzendienst ist es. Will sagen: was immer du tust, ist Ausdruck deiner Gottesbeziehung. Das vergiss nicht im Straßenverkehr, im Wortwechsel, im Internet, bei den Witzen am Stammtisch, beim Reden über Andere, bei deinen Bankgeschäften. Weil das so ist, weil Gottesbeziehung und Menschentun so unlöslich miteinander verwoben sind, kann ich glücklicher-weise den Mantel des Moralapostels auch wieder abstreifen und uns an den Kern unseres Glaubens erin-nern. Auch Paulus war schließlich alles andere als ein Moralapostel. Er war der Apostel der Gnade. Seine moralischen Appelle, wie die heutigen, stehen immer am Ende seiner Briefe, schließen sich an an die Verkündigung von Gottes bedingungsloser Liebe zu uns.

Das Verhältnis von Glauben und Werken ist innerhalb unserer protestantischen Tradition von jeher spannungsvoll. Wir berufen uns gern auf die Unverfügbarkeit der Gnade. Wir haben Luthers Ruf im Rücken: sola gratia. Und vergessen manchmal, dass der Gnade notwendig gute Werke folgen. Zumin-dest ist es nicht mit ihr vereinbar, sie augenzwinkernd gering zu schätzen. Genau dieselbe Spannung finde ich in der Diskussion um unsere Gottesdienste wieder. Die meisten von euch wissen ja: seit einem halben Jahr leite ich das „Zentrum für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst“ in Hildesheim. Zugegeben: „Qualität“ – dieser Begriff reizt in Zusammenhang mit dem Wort „Gottesdienst“ zum Widerspruch. „Sola gratia“ schallt es mir auch hier entgegen. Gott handele im Gottesdienst. Das bleibe unverfügbares Geschehen. Qualität: Viele fühlen sich angegriffen. War denn vorher alles schlecht, fragen sie, obwohl kein Mensch das gesagt hat.
Die Diskussion um die Qualität des Gottesdienstes ist ein Stachel und eine Anfrage an die menschlichen Anteile des Gottesdienstes. Dass Gottes Wort so gut wie möglich vors Ohr kommt, ist doch alle men-schliche Anstrengung wert. Dass es aber ins Herz dringt, bleibt Gottes Sache. Und dass es manchmal trotz unserer Gottesdienste ins Herz dringt, zeugt von Gottes Humor. Dass Gottes Gnade unverfügbar bleibt, heißt doch nicht, dass wir nicht unser Bestes geben wollten.

So auch im Leben. Unser Leben ist für Paulus ja auch Gottesdienst ist – vernünftiger Gottesdienst (Röm 12). Gottesdienst in der Welt. Hier gilt genauso: Dass wir von der Gnade allein leben, das Entscheidende geschenkt bekommen, dispensiert nicht davon, unser Bestes zu geben, auch im Tun, auch im Sprechen, meinetwegen bis hin zur Qualität der Witze, die wir machen.
Darum: „Folgt Gottes Beispiel als seine geliebten Kinder“. Dies ist die Quelle, aus der unser Tun und Lieben fließt, dass wir Gottes geliebte Kinder sind. Nur darum können wir sogar Licht der Welt sein. Denn in unseren Taten präsentieren wir nicht uns selbst, nicht unser eigenes Licht, sondern das Licht, das durch uns hindurch scheint. Ja, darum stellen wir uns gelassen diesem Anspruch, dieser Zumutung – (oder ist es doch eher eine Zusage?), dass wir Licht der Welt sind, dass wir den ganzen Saal mit Licht erfüllen können und so ein Erbteil haben im Reich Christi und Gottes.
Amen.
(Dr. Folkert Fendler, Hildesheim)Abendröte

 
 
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LOSUNG DES TAGES
Freitag, 28. April 2017
 
Gelobt sei Gott, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die ihm vertraut haben.
 
Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.

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