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Predigten

Einer guten Predigt hört man gerne zu.

Und liest sie gerne nach. Deshalb empfehlen wir an dieser Stelle verschiedene Predigten aus der Posaunenarbeit.

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Predigt zum Wochenlied des Sonntags Invokavit EG 362

„Ein feste Burg ist unser Gott“ am 21. Februar 2010 in der St. Thomaskirche in Wolfenbüttel
 

Liebe Schwestern und Brüder,
wie eine Antwort auf den Introitus des 1. Fastensonntags Invokavit, der seinen Namen nach dem Anfang des 91. Psalm trägt: “Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören, ich bin bei ihm in der Not;“ ist unser Wochenlied, das wir gleich singen werden: Es ist Martin Luthers Reformationslied: Ein feste Burg ist unser Gott:
Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.
Der altböse Feind, mit Ernst er’s jetzt meint;
groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

 

Die Burg, ein Ort, ein Symbol des Schutzes und der Sicherheit. Wer drinnen ist, muss die draußen nicht fürchten. Sie bietet mit Ihrer strategischen Lage, vielleicht einem Graben, oder auf einem Fels – wie die Wartburg mit ihren Mauern, Zinnen und Türmen ein Maximum an Schutz, an Zuflucht - Schutz vor ungebetenen Gästen. Die Gewalt bleibt ausgesperrt – der Burgfrieden war ein hohes Gut, über Jahrhunderte signalisierten Burgen: Es gibt einen Ort im Leben, wo ich ohne Wenn und Aber Asyl finde und angenommen bin, sein kann. Das gibt Trost, das gibt Halt, in Bedrängnis Not und Ängsten, ist wie ein Stern in der Dunkelheit.St. Michaeliskirche in Hildesheim
 

Dieser Ort, das ist das Wunderbare, ist nicht irgendwo und irgendwann, sondern überall und jederzeit, weil Gottes Gnade diesen Ort repräsentiert. Gottes Liebe baut Burgen des Schutzes, des Erbarmens, der Güte und Barmherzigkeit. Gottes Liebe, auch das klingt im Lied, hat etwas Streitbares, pflegt im guten Sinn die ritterliche Tugend, den Schwachen zu schützen, die Menschlichkeit in Schutz zu nehmen vor dem altbösen Feind, dessen Macht, List und grausamer Rüstung eigentlich keiner von uns gewachsen ist.
 

Liebe Gemeinde, wir alle bleiben ja nicht von Erfahrungen verschont, die uns ängstigen, die uns bedrängen und bedrücken – auch das wird hier im Lied ja nicht verschwiegen. Auch das ist Lebensalltag, wenn wir z.B. Krankheit und den Verlust geliebter Menschen erleben. Wir wissen: Allzuschnell kommen wir an Grenzen, wo wir nicht weiter wissen und weiter sehen. Wie sehr erschüttern uns Katastrophen wie in Haiti oder der sinnlose Tod eines Menschen, wie der des Berufsschullehreres in Ludwigshafen. Das alles hat an sich die Macht, uns das Zutrauen zum Leben, das Zutrauen, dass es gut werden kann, zu rauben: Mit unserer Macht ist nichts getan. Wie oft ist das Gefühl der Verlorenheit, des Ausgeliefertseins eine bedrängende Realität. Man hat dieses Lied historisch immer wieder an den Weg Luthers zum Reichstag in Worms angeknüpft. Das war ein schwerer Gang aufrecht vor Kaiser, Fürsten und Kirchenrepräsentanten zu treten und daran festzuhalten: Allein die Gnade Gottes, allein die Heilige Schrift, allein Christus, allein der Glaube – dieses Allein klingt im letzten Vers an: Mönchlein, Mönchlein, du gehst einen schweren Gang. Gut ein Jahrhundert zuvor war Jan Hus auf dem Konzil zu Konstanz für ganz ähnliche reformatorische Gedanken/Thesen verbrannt worden, trotz des Versprechens und der Zusicherung freien Geleits. Wie klein, wie ausgeliefert, wie allein fühlen wir uns selbst auf solchen Gängen – ich denke dabei an die Angehörigen, die oft in der Klinik zwischen Hoffen und Bangen vor der Intensivstation warten. Und wenn wir es genau nehmen: Wir alle befinden uns auf der Intensivstation Leben, in der uns manches bedrängen und ängstigen kann. Dem können wir uns nicht entziehen. Es ist ja die Passion und das Leiden am Dasein, die unser Herr Jesus Christus auf sich genommen hat – da sind wir alles andere als fest und stark. An diesem ersten Passionssonntag denken wir daran, dass es ja unsere Schwachheit, unser Ausgeliefertsein, unsere ganze so vielfältige Not an Körper, Geist und Seele ist, die er ans Kreuz getragen hat. Er hat sich ausgeliefert, damit wir nicht länger schutzlos bleiben. Wir bauen höchstens Sandburgen – Christus hat mit seinem Kreuz einen Schutzraum erworben, der sich nicht an unserer Endlichkeit und Zeit aufreiben soll.
Luther knüpft mit dem Bild seines Liedes ja an Psalm 46 an: Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns betroffen haben.


Wir leben in der Jetztzeit der Bedrängnis, das können wir spüren wir an Leib und Seele, aber wir leben auch in der Jetztzeit der Güte Gottes, der an uns festhält in Ewigkeit. Das übersteigt unsere Endlichkeit – das hat kein Verfallsdatum.
Es gibt in den Psalmen, im Lieder- und Gebetbuch des Volkes Israel und der christlichen Gemeinden einen ungebrochenen Zusammenhang zwischen Erinnerung und Hoffnung. Der geplagte Mensch, soweit er ein Glaubender ist, erinnert sich an Gottes rettendes und erlösendes Handeln. Immer wieder rufen die Beter und Sänger bspw. den Auszug aus Ägypten – den Exodus - in Erinnerung. Das hat eine große Bedeutung für die eigene Gegenwart, weil es hilft, mit dem Weg, den Gott mit seinem Volk ging, sich neu an Vertrauen und an der Hoffnung, festzumachen, dass dieser Weg ungebrochen ist, weil Gottes Treue da ist. Halacha – ist die jüdische Weise, ein Weg sich darin einzuüben. Nachfolge ist im Grunde zuallererst diese geistliche Haltung des Vertrauens, das durch alle Not sich nicht den Blick für Gottes heilsames Handeln verstellen lässt. Wer sich aufmacht den Weg Jesu in der Passion erinnernd nachzugehen, der tut es immer in der Hoffnung, dass er damit bei Ostern, im Leben anlangt, und nicht im Niemandsland endet, in der unser Leben verwüstet ist.

Luther wusste um diesen Schutzraum, wusste um die Burg mitten im Leben, die Gott für jeden von uns baut, dort wo er Glaube, Liebe, Hoffnung schenkt (dass unsere Seele unverletzet sei). Das Lied ist die beste Weise, um uns Gottes Nähe spüren zu lassen – einfach und klar. In der Geschichte der Evangelischen und des Protestantismus hat man es immer auch als ein Kampf-/ und Streitlied empfunden- Heinrich Heine sprach von der Marseillaise der Reformation. Dieses Lied hat unser Evangelisch sein mitgeprägt, hat von daher den Charakter eines Bekenntnisliedes – nicht umsonst ist es über Jahrhunderte immer wieder am Reformationstag gesungen worden oder in der Zeit des Kirchenkampfes wie in meiner eigenen Gemeinde in der Auseinandersetzung der BK mit der DC: So wie wir darin bekennen, dass Gott uns nicht ausliefert an die Mächte und Gewalten, liefern wir uns und andere nicht aus: Wir stehen auf. Es gibt das Böse, unsere Welt erlebt an vielen Stellen eine grausame Aufrüstung, an der die Menschlichkeit zu zerbrechen droht. Das sind die realen Fakten: bösartig, grausam, listig – das Lied leitet auch an, dass wir uns nichts vormachen: es ist nicht alles lieb und nett. Was genannt wird, hat jedes für sich die Qualität, uns den Atem zu rauben – so total kann die erbarmungslose Infragestellung unseres Lebens gehen. Der Poet Hans Sachs hat dieses Lied zuerst als fliegendes Blatt drucken lassen und mit Albrecht Dürers Holzschnitt: Ritter, Tod und Teufel illustriert (Konfirmationsurkunden im 19. Jahrhundert) und verkauft: es fand reißenden Absatz, weil es bedrängten Menschen die Botschaft brachte: Dennoch, dennoch und trotz alledem, gibt Gott Menschen und Welt nicht auf : der Heilandsruf verstummt nicht, Christus heißt er. Mit ihm ist Gott innerweltlich – ist und bleibt es. Die Verzagten gewinnen Mut, weil Gott innen – mitten in der Welt ist und nicht von außen/ von fern auf uns herabschaut: Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie wohl bleiben, fein lustig bleiben, sagt der Ursprungspsalm: Wie der tugendhafte Ritter für die Liebste, für die Liebe eintritt, so tritt Christus für die Seinen ein bis ans Kreuz – der hier sein Leben gibt, um unser Leben zu gewinnen: Fragst Du wer der ist? Er heißt Jesus Christus, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott. Das Feld muss er behalten. Gottes Festhalten an uns, seine Treue zu unserem Leben in Christus, hat aber auch die Konsequenz, dass wir selbst Kirche für andere sind, wie es Bonhoeffer sagte, dieser verhängnisvollen Tendenz zu einer Entsolidarisierung entgegentreten, denen nicht das Wort reden, die in einer Wagenburgmentalität propagieren: Die Schwachen müssen spüren, dass sie schwach sind und die Starken sollen wissen: Leistung muss sich wieder lohnen. Schlagworte, die polarisieren, nicht zum Ausgleich, nicht zur Gerechtigkeit führen, sondern den gesellschaftlichen Unfrieden schüren, die Werte, die sie einerseits lauthals fordern, andrerseits aushöhlen und das schleichende Gift, der einen auf Kosten der anderen zum Prinzip und mit dem Gedanken rechtfertigen: Verdiene ich nicht Besseres? Die Fürsten der Welt stellen sich bis heute recht sauer an – selbst zur Karnevalszeit.


Luthers Lied hat etwas Unverfrorenes: Es demaskiert und wagt mutig das Unrecht beim Namen zu nennen: Kirche darf, Kirche muss sich gesellschaftlich einmischen, in Wort und Musik, auf die Seite des Lebens treten – das ist urprotestantisch: Wir fürchten uns doch nicht, gewinnen Mut und machen Mut. Da muss es erlaubt sein nach dem Frieden in Afghanistan zu fragen, da ist der klärende Hinweis notwendig, dass Krieg nicht den Kampf um die Menschlichkeit gewinnt (Ich denke an Bischöfin Käßmann). Unser Lied weist uns darauf: Der wird anders entschieden – wir sind eingeladen dem Wort Gottes zu vertrauen, auf die Seite der Menschlichkeit zu treten.


Liebe Gemeinde, auf die Seite der Menschlichkeit treten, um Gottes Nähe zu finden, zu entdecken, dass er uns in Schutz nimmt, wenn wir mutig die Liebe wagen – mit Herzen, Mund und Händen. Die Botschaft dieses Liedes führt hinaus aus der Kirche an die Orte unseres alltäglichen Lebens. Da ist der Bewährungs- und Bekenntnisraum, wo wir ganz unmittelbar uns auf die Seite der Bedrängten stellen können, ja müssen, wenn wir uns selbst nicht verlieren wollen. Die in dieser Woche für ihr Lebenswerk ausgezeichnete Schauspielerin Hanna Schygulla hat auf diesem Hintergrund einmal gesagt: Wenn man immer nur die eigene Verletzlichkeit schützen will, lebt man nur auf dem Rückzug. Es ist lebensnotwendig, dass man tut, wovor man sich fürchtet. Wenn man alles meidet, was man fürchtet, findet das Abenteuer Leben nur im Kopf statt.“ Wer dieses Lied singt, wer dieses Lied spielt wie unsere Bläser, der wagt es, seine Ängstlichkeit hinter sich zu lassen, der wagt es mit dem Rückhalt Gottes zu denken, zu reden, zu handeln und lernt mitunter das Staunen neu. Ein Staunen, dass begreift: Gott ist am Werk. Wer dieses Lied singt, tritt neu auf die Seite des Leben, wagt im Vertrauen auf Christus das eigene Erschrecken zu überwinden. Darum lasst uns singen. Amen EG 362
 

 
 
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LOSUNG DES TAGES
Freitag, 28. April 2017
 
Gelobt sei Gott, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die ihm vertraut haben.
 
Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.

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