Logo EPiD Startseite » Geistliches » Predigten

Predigten

Einer guten Predigt hört man gerne zu.

Und liest sie gerne nach. Deshalb empfehlen wir an dieser Stelle verschiedene Predigten aus der Posaunenarbeit.

Seite 6 von 13
 
 

Predigt zum 50 jährigen Bläserjubiläum von LPW i.R. Helmut Schaper und Dieter Walkenhorst in Westerenger I 1. Advent 2009

Predigttext: Römer 13, 8-14

Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn, was da gesagt ist (2.Mose 20,13-17): »Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren«, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst (3.Mose 19,18): »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.
Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts. Lasst uns ehrbar leben wie am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Unzucht und Ausschweifung, nicht in Hader und Eifersucht; sondern zieht an den Herrn Jesus Christus und sorgt für den Leib nicht so, dass ihr den Begierden verfallt.

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

das sind eher unerwartete Töne zum ersten Advent, die der Apostel Paulus hier anschlägt. Advent, das ist doch die Zeit der Besinnlichkeit, der Lichterkränze bei Gebäck und beschaulicher Hintergrundsmusik: Da machen wir es uns gern gemütlich, dazu laden die Weihnachtsmärkte landauf landab ein.
Von gemütlicher Beschaulichkeit finde ich in unseren Versen erst einmal nichts. Diese Worte setzen sich ab vom Gefühl: „Mach hoch die Tür bis Tochter Zion“. Und wenn wir mit unseren Vergleichen auf dem Feld der Musik bleiben: Die Verse, die uns begegnen haben eher den Charakter einer chromatischen Charconne – mit Reibungen und disharmonischen Klängen, als die eines Chorals dessen Harmonien uns himmelan führen.Die Nacht ist schon im Schwinden - EG 16
Die Verse und ihre Wortwahl behaften uns auf der Erde. Sie sind für den Ort gesprochen, von dem wir kommen und an den wir nach jedem Sonntag auf Zeit auch wieder zurückgehen. Sie markieren die Dunkelzonen, die uns als Menschen zu schaffen machen, unter denen wir leiden. Den Ort unserer Verletzlichkeit, all jener Bereiche, wo unserer Menschlichkeit unter der Bedrohung des Scheiterns steht.
In diese Orte der menschlichen Verfinsterung kommt Gott. Er umgeht sie nicht. Mit dem Menschensohn will er gerade dorthin kommen, wo Menschen wie eingemauert leben. Das ist Gottes Weg von Anfang an. Darum erinnert der Apostel an die Gebote. Sie sind Gottes Straßenbeleuchtung in verfinsterten Zeiten, um Orientierung zu gewinnen, um nicht vom Weg abzukommen. Paulus hätte auch sagen können:
Kommt nicht vom Weg ab! Achtet auf die Wegmarkierungen und Leuchtzeichen Gottes, die Ihr in den Geboten habt. Seid bei denen, die es heller machen! Und wenn er besonders an die Liebe als Zusammenfassung der Gebote erinnert, dann denken wir unwillkürlich an Jesu Gespräch mit dem Schriftgelehrten, wo es um die ungebrochene Lebensfülle ging: Liebe Gott, liebe deinen Nächsten! Tue das und Du wirst leben, kurz und bündig ist die Schlussfolgerung. Diese Leuchtspur Gottes zieht sich durch unsere ganze Bibel von der ersten bis zur letzten Seite – einfach und klar. Dennoch, das weiß Paulus so gut wie wir, tun wir uns mit dem Einfachen schwer. Sonst bräuchte es vielleicht diese Ermahnung erst gar nicht.

 


Der 1. Advent markiert ja auch den Beginn eines neuen Kirchenjahres. An solchen Schwellen vom Alten zum Neuen geht der Blick nach vorne und zurück: Und in diesen Tagen werden uns noch eine Reihe von Jahresrückblicken 2009 begegnen. Darunter auch viele lebensverfinsternde Nachrichten, die uns durch das letzte Jahr begleitet haben: Denken wir nur an den furchtbaren Amoklauf in der Ansbacher Schule und an die kollektive Trauer um den Fußballer Robert Enke. Zurück bleiben Menschen, die damit zu kämpfen haben, dass sich ihr Leben verfinstert hat, dass der äußerliche Lichtschein nicht einfach ihre Traurigkeit durchdringen kann. Solche Traurigkeit kann wie eine Mauer sein, durch die man erst mühsame Öffnungen zurückgewinnen muss. Dabei wissen wir: Die Mauern, die Dunkelheit symbolisieren, die wachsen fast wie von selbst, manchmal von einem Augenblick zum nächsten. Die Öffnungen, die wir gewinnen wollen, um neue Aussichten und Zugänge zu schaffen, sind erst unter vielen Mühen zu erreichen und brauchen Zeit. Die Situation ist nicht grundlegend besser oder anders geworden, seid Paulus vor nunmehr fast zweitausend Jahren seine Zeilen schreibt: Um die Geburtsstadt Jesu, um Bethlehem zieht sich eine 8 Meter hohe nun fast geschlossene Mauer. Alles miteinander Grund genug, um in eine tiefe Depression zu verfallen, um die Erde und uns Menschen als hoffnungslose Fälle abzuschreiben – nach dem Motto: Kannst Du vergessen!
Das tut Paulus aber nicht. Sein Grundton ist weder Depression noch Pessimismus. Dafür gibt es allen Dunkelheiten zum Trotz darum keinen Anlass, weil Gott immer noch auf unserer Seite steht auf der Seite des Lebens: Der Gott mit uns kommt mit seinem Sohn dahin, wo wir am Schwächsten sind – hinein in unsere Dunkelheit, hinein in unser „eingemauert sein“, hinein in unsere trostlosen Verhältnisse. Gott findet sich nicht ab, gerade dort, wo wir schon längst gleichgültig geworden sind. Das Heil ist schon näher als ihr denkt, konstatiert Paulus. Gott ist auf dem Weg, auch wenn ihr noch dabei seid, Nachterfahrungen zu machen. Mitten in die Nachtgedanken kommt der Hinweis darauf, dass die Nacht schwindet, an Kraft und Macht verliert, weil Gott ihr seinen Tag, sein Licht, seine Liebe schenkt. Darum kann es gar nicht anders sein, als dass der Gottes Sohn mitten in der Nacht geboren wird. Weihnachten ist eine Nachtvorstellung vom Stern bis zu den Hirten, weil all jene auf der dunkeln Seite mit großer Schärfe und Klarheit Gottes Licht aus der Krippe, dem ärmsten Ort unseres Daseins wahrnehmen sollen. Das strahlt weit: „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen, dem hellen Morgenstern! Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.“
Jochen Kleperrs Lied von 1938 dem Jahr als in Deutschland die Synagogen brannten, ist von diesem Paulusvers aus unserem Predigttext inspiriert. Als Christenleute haben wir auch immer wieder die Aufgabe unserer Welt nicht der Verzweiflung preiszugeben, sondern von Gottes Mitsein her auf die Hoffnung zu verpflichten. Das Lied Kleppers mit seinem getragenen Melodiebeginn in im dreihalbe Takt, der mitten in den Strophen umschwingt in das drängende zweihalbe Taktmaß, markiert, wozu wir berufen bleiben: Aus er Nacht heraus ins Licht. Das sind starke Glaubensbilder, die dem Weg des Gottessohnes nachfolgen. „Christen sind Protestleute gegen den Tod.“, so hat das einmal jemand auf den Punkt gebracht.
Ihr Lieben, darum geht es alltäglich, um nicht mehr und nicht weniger! Und da kommen für mich auch die Posaunenchöre ins Spiel: Wir sind ja dazu berufen, mit dem Klang unserer Instrumente, der Stimme Gottes Gehör z verschaffen. Dieser Stimme, die mit ihrem Klang, den Grund unserer Seele berühren kann; dieser Stimme, die in Christus uns Worte von Glaube, Hoffnung und Liebe ins Herz pflanzt – den Dunkelheiten zum Trotz. Für diese Stimme Gottes im Alltag unseres Lebens auch weit jenseits der Sonntage wollen unsere Posaunenchöre Zeuge sein. Euer Blasen darf und muss die Qualität haben, die Mauern der Finsternis zu überwinden. Wenn Menschen die Tränen kommen bei einem Choral, den ihr spielt, den sie mitsingen, der etwas in ihnen anrührt und zum Schwingen bringt, dann ist das ein lebendiges Zeichen dafür, dass Gott es immer noch vermag, uns zu erreichen; er schafft die Zugänge: Advent – Gott kommt: Unsere Hoffnung zehrt davon, dass dies lebendig wird. Und wenn wir heute die Jubiläen zweier Menschen aus dem Posaunenchor feiern, von Helmut Schaper und Dieter Walkenhorst, dann bedeutet ihre große Treue zum Posaunedienst doch auch, dass sie sich als Mitarbeiter der Hoffnung empfinden, gemeinsam mit dem ganzen Posaunenchor. Wenn der große Bläservater der Posaunenchöre Johannes Kuhlo von den Mitarbeitern am 150 Psalm spricht (Lobet Gott mit Posaunen), dann können wir heute genauso mit Fug und Recht sagen: Bereitet ihm den Weg, mit dem Klang Eurer Instrumente. Zu welcher Kirchenjahreszeit Ihr auch spielt, immer wieder hat es doch auch diesen adventlichen Charakter. Ohne diesen adventlichen Anspruch der bleibt, wären wir schlicht und ergreifend nicht mehr Posaunenchor. Das macht uns aus, dass wir das Kommen Gottes ansagen. Wir brauchen Menschen in unseren Gemeinden, die mitten in den Dunkelheiten, auf Friedhöfen und Plätzen die Ansage wagen: „Die Nacht ist schon im Schwinden, macht euch zum Stalle auf! Ihr sollt das Heil dort finden, dass aller Zeiten lauf/ von Anfang an verkündet, seit eure Schuld geschah. Nun hat sich euch verbündet, den Gott selbst ausersah.“
Wir wagen die neue Ansage und durchbrechen die alte Leier, von Klagen und Vorwürfen. Klepper wagt ja selbst dieses Lied im Jenseits seiner Erfahrungen, die ja eben noch von den Verfinsterungen seiner Zeit geprägt sind: Er war mit einer Jüdin verheiratet und die Zeiten entwickelten sich – ich muss das nicht in Einzelheiten ausführen - für die ganze Familie lebensbedrohlich, so sehr, das er 1942 für sich, seine Frau und jüngste Tochter keinen anderen Ausweg als den Tod sah: „Wir sterben nun – ach, auch das steht bei Gott. Wir gehen heute Nacht gemeinsam in den Tod. Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des segnenden Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben.“ Dennoch das zeigt auch diese letzte Tagebucheintragung: Die Worte seines Liedes sind darin nicht zurückgenommen, sondern bestätigt und bekräftigt: Es bleibt ein Licht, es bleibt eine Hoffnung, es bleibt ein Leben, dass nicht von unserer Dunkelheit, nicht von unserer Verzweiflung, und auch nicht von unserem Tod zerstört werden kann. Darum nicht, weil Gottes Advent in Christus, sein Kommen in unser Vergehen das Beständige bleibt. Das, liebe Gemeinde, ist das Einzige, was uns in die Lage versetzen kann, mit Grund und Halt selbst Trost zu geben: Der Advent Gottes, den Gott uns schenkt, sein Licht, dass in Christus unsere Dunkelheit durchbricht, ist uns daraufhin anvertraut, dass wir es weiter tragen, dorthin, wo Menschen nach Licht und Leben hungern. Die Orte sind wie wir wissen vielfältig – ihnen gemeinsam ist, dass sie unmittelbar vor unserer Haustür anfangen, manchmal schon unter dem Dach, mit dem wir miteinander leben. Gott kommt in Christus so, dass wir Schritte ins Licht wagen, mutig uns auf den Weg machen, der Menschlichkeit unter uns Raum zu geben. Es sind die kleinen Dinge, die da viel zählen: Unser Zuhören, unsere Behutsamkeit, unser Loben, die Zeit die wir schenken – ein kostbares Gut. Wo will Gott wohnen – in solchen Herbergen, die wir eröffnen, um Einblicke in Gottes Aussichten für unsere Welt zu geben: „Gott will im Dunkel wohnen/ und hat es doch erhellt. Als wolle er belohnen, so richtet er die Welt./ Der sich den Erdkreis baute, der lässt den Sünder nicht. Wer hier dem Sohn vertraute, kommt dort aus dem Gericht.“
Amen
Und der Friede Gottes, der höher ist als unser Denken und Verstehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen
 

 Bernhard Silaschi, Leitender Obmann

 
 
Seite 6 von 13
LOSUNG DES TAGES
Freitag, 28. April 2017
 
Gelobt sei Gott, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die ihm vertraut haben.
 
Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.

News

  •  
  • 09. Dezember 2016
    Posaunenchor im Kulturerbe Deutschlands! mehr
  •  
  • 21. September 2016
    "Posaunenchor Deutschland" - Begegnungstagung 2016 mehr

Nächste Veranstaltung

  •  
  • 28. Mai 2017
    5oo-Jahre Reformation - Festgottesdienst mehr