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Predigten

Einer guten Predigt hört man gerne zu.

Und liest sie gerne nach. Deshalb empfehlen wir an dieser Stelle verschiedene Predigten aus der Posaunenarbeit.

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Predigt des LO zur Studientagung der Arbeitsgemeinschaft der Landesposaunenwartinnen und Warte | 12. November 2009

Text: Psalm 18, 30 „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.“

 Liebe Schwestern und Brüder,

so heißt es in Psalm 18, 30. Im Jubiläumsjahr 20 Jahre nach dem Mauerfall ist dieser Vers ein angesagtes Wort, fast wie ein Motto der damaligen Ereignisse. Doch natürlich ist es so einfach nun wiederum auch nicht. Nicht immer und überall wird’s ein bisschen Gottvertrauen schon richten. Oft, vielleicht meistens läuft es eben anders: Rennen Menschen gegen Mauern sichtbare und unsichtbare, reiben sich wund und auf, wenn andere mauern und kein Durchkommen scheint. Lehrreich ist für mich in diesem Zusammenhang immer noch die berühmte Geschichte von Paul Watzlawick. Er erzählt Sie in seinem Buch mit dem bezeichnenden Titel: „Anleitung zum Unglücklichsein“, die Geschichte vom Hammer nach Paul Watzlawick:Berliner Mauer durch Kunst verwandelt
Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht's mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er »Guten Tag« sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!“ Wieder in seiner Wohnung sitzt er da mit seinem Bild in der Hand – enttäuscht und verzweifelt über seine Mitmenschen. Und er beschließt ganz fest: „Nie wieder sprech ich einen an!“

 

 Eine Geschichte, die den Finger auf die Mauern in unseren Köpfen legt, jene eisernen Vorhänge aus Vorurteilen, Misstrauen, Angst, Besserwisserei – die Liste ließe sich lang und beliebig fortsetzen. Und man muss kein großer Psychologe sein, um zu wissen, diese Mauern sind oft höher und unüberwindlicher als die anderen aus Stein und Beton; die sind schwerer abzubauen und es bräuchte andere Mauerspechte, um hier die Grenzöffnung der Toleranz, von Verständnis, Mitgefühl und Solidarität zu erreichen. Der 9. November 89, mit dem wunderbare Ereignis des Mauerfalls als Ergebnis einer friedlichen Revolution, als Ausgangspunkt für die dann folgende deutsche Einheit zeigt uns, was möglich wird, wo Menschen Hoffnung, Mut und Zuversicht schöpfen, mit ihrer Sehnsucht an eine bessere Zukunft glauben. Der 9. November markiert in unserer Geschichte aber auch jenen dunklen Tiefpunkt an Intoleranz bis zum unbedingten Vernichtungswillen, der unter der Überschrift „Reichspogromnacht“ ein bedrückendes Erbe bleibt; die Ausgrenzung von jüdischen Bürgern bis zur Deportation und millionenfachen Ermordung. Es zeigt die schlimmste und unheilvollste Konsequenz von in Ideologien und Fanatismus eingemauerten Köpfen. Das eine wie das andere Ereignis deutet auf Möglichkeiten, über die wir als Menschen verfügen. Berufen sind und bleiben wir von Gott zum Segen und Heil, eben auch das zunächst Unmöglich gedachte ins Auge zu fassen: Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen. Die Leichtigkeit mit der uns dieses Wort begegnet, die überwundene Schwerkraft all dessen, was mich oft hält und runterzieht, gewinnt dieser Vers aus der Kraft Gottes: Verheißungen, Visionen beflügeln, ein Lied bleibt nicht nur ein Lied, ein Gebet wird mehr, zum Ausdruck des Geistes Jesus, der den kleinen Glauben - dem Senfkornvertrauen - das Potential zutraut, Berge zu versetzen: Siehe das Reich Gottes ist mitten unter Euch – dort eben, wo die Mauern in unseren Köpfen fallen, da ist Gottes Leichtigkeit in der Kraft seines Geistes in und mit uns am Werk. Da treffen sich Predigtwort und Evangeliumslesung (Lukas17,20-24).

Und ich denke dabei auch an jene andere Geschichte, die der jüdische Schriftsteller Manes Sperber in seinem autobiografischen Buch „Die Wasserträger Gottes „ erzählt. Er berichtet, wie sich die Bewohner seines Heimatortes Zlabotow in Galizien auf das Kommen des Messias einstellten. Eine seine Erinnerungen finde ich faszinierend. Da übten sie sich in seiner Kindheit so lange wie möglich auf den Händen zu stehen und zu gehen: „Sie hatten nämlich gelernt, dass der Messias, wenn er kommt, die Welt auf den Kopf stellt. Das würde den Ungeübten viele Schwierigkeiten bereiten. Deshalb trainierten sie sich, wie sie es nannten, in der messianischen Gymnastik."
Was für ein wunderbares Trainingsprogramm, um die Perspektive zu wechseln. Neue Einsichten zu gewinnen, aus der wachgehaltenen Sehnsucht nach dem Reich Gottes. Einüben in eine neue Wahrnehmung, um an den Zeichen seiner Ewigkeit mitten im Alltag unserer Zeit nicht achtlos vorbeizugehen. Es wagen, Gottes Wort so nahe an sich heranzulassen, dass es Herz und Sinn erfasst.
Und ich stelle mir diese Kinder vor, wie sie mit den Füßen wackeln vor Anstrengung und sie in den Himmel strecken. Trägt die Erde die Kinder oder tragen sie den Himmel mit den Füßen. Ihre Fröhlichkeit erwartet etwas Anderes – etwas grundlegend Neues, mit der Kraft oben und Unten zu vertauschen, die Welt auf den Kopf zu stellen. Menschen mit diesem Geist sind die Boten des Gesalbten, des Messias durch die Zeit. Wundert es uns da, dass Jesus die Kinder selig preist und sie segnet. Ihnen gelingt mit Leichtigkeit, worum wir oft krampfhaft ringen: Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen, dort wo Zuversicht und Sehnsucht nach seinem Reich Herzen, Mund, Hände und Füße berühren.
Es ist für mich kein Zufall, dass die Ereignisse der friedlichen Revolution im Herbst 89 mit der Sehnsucht nach Veränderung in vielen Kirchen ihren Ausgangspunkt nahmen. Einüben in Freiheit, Einüben in jene messianische Gymnastik: Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen, braucht diese Freiräume, in denen aus Kerzen Hoffnungslichter, aus Liedern und Musik, Kraft zum friedlich Widerstand wächst. Wir alle brauchen solche Räume, in denen wir entdecken können, dass Gott uns Mut zuspricht und zum Schrittmacher wird, wo es darum geht, für die Menschlichkeit einzutreten, eingemauerte Verhältnisse zu überwinden. Die Nachfolge Jesu zu der wir gerufen sind, ist und bleibt immer auch ein Fortschritt, der auf Überwindung von Lebensbeschränkungen zielt. Davon schreibt Christian Führer ja auch in seinem Buch: „Und wir sind dabei gewesen.“ Es hat etwas damit zu tun gehabt, in den Volkspolizisten und Grenzern auch noch die Väter, Söhne, Ehemänner sehen zu können, die der Blumen wert waren: Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen – auch manchmal über den eigenen Schatten. Und Christus steckt ja immer neu in Wort und Tat das Feld der Verheißung ab, das wir brauchen, um Anlauf zu nehmen, dass wir nicht zu kurz springen Darum sagt er: „Selig sind die Armen" und nicht: „Wer Geld hat, ist glücklich!" - Der sagte: „Liebe deine Feinde" und nicht: „Nieder mit dem Gegner!" , der sagte: „So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten!" und nicht: „Es bleibt alles beim Alten"(...), legt uns Gottes Reich nahe: Der dem Gehörlosen Ohr und Stimme leiht, damit Verstehen und Verstanden werden neu gelingt. Die Hoffnung auf eine Veränderung speist sich aus der Erfahrung und dem Vertrauen, dass Gott jeden Menschen (wie mich selbst) angenommen hat, so, wie er ist, mit allen Fehlern und Schwächen. Die Möglichkeit, für die anderen zu beten, wächst aus dem Vertrauen darauf, dass vor Gott alle gleich angesehen sind, alle gleich angenommen sind. Als jene, deren Schuld vergeben ist, die Vergebung leben, wagen es, Dinge in dieser Welt auf den Kopf zu stellen: So kommt Reich Gottes uns nahe. Auf dieser Grundlage feiern wir Abendmahl, auf dieser Grundlage sind wir gehalten aber auch verantwortlich angehalten, gnädig miteinander umzugehen, uns unsere Schwächen nicht als offene Rechnungen zu präsentieren. Das gilt übrigens auch im Posaunendienst: Neue Mauern und Vorbehalte brauchen wir nicht. Zur Bläsertradition seit Jericho gehört es, dass wir der Macht der Musik zutrauen, auch die Hürden von Ängsten und Vorurteilen zu überwinden. Solch ein Perspektivwechsel bleibt eine notwendige messianische Übung für jeden Einzelnen unter uns. Die Berichte aus den Gottesdiensten zur Veränderung der Gesellschaft damals erzählen ja auch von der Sehnsucht danach, sich selbst verändern zu lassen und innerlich diese Wende zu schaffen, von der Rachsucht und dem Trachten nach Vergeltung für zahlreiches erlittenes Unrecht hin zu dem Wagnis, vom anderen her zu denken und für ihn zu beten, auch und gerade dann, wenn man ihn nicht verstand. Die uns eigenen inneren Grenzbereiche zu überschreiten, ist vielleicht die schwierigste Übung und gleichzeitig so unaufgebbar wichtig, wenn Wahrheit, Gerechtigkeit, Versöhnung, Freiheit nicht nur zu einem Anspruch für mich selber verkommen dürfen. Schaffen wir das, diese Schwerkraft unserer Hinderlichkeiten zu überwinden? Lassen wir uns von Gott anleiten, die Gebrauchsanweisung zum Unglücklichsein hinter uns zu lassen; Der Hammer allein reicht nicht aus, um wirklich Neues zu bauen. Mit der Brechstange, das wissen wir doch im Grunde alle, kommen wir in Sachen Verständigung miteinander nicht weiter. Da sind andere Werkzeuge gefragt. Ich vertraue darauf: Gott lässt mich nicht mit leeren Händen dastehen, wenn ich Hände ausstrecke. Die Sehnsucht nach Versöhnung trägt den Geist von Gottes Verheißung weiter, hält auf geheimnisvolle Weise die Hoffnungsbilder des Reiches Gottes wach und klar. Auf dem Hintergrund dieser Sehnsucht werden wir im nächsten Jahr zum ökumenischen Kirchentag fahren. Auch da wird es noch an manchen Stellen Mauern geben, aber Gott wird mithelfen, dass wir sie nicht höher machen, als sie in Wirklichkeit sind, dass wir inmitten unserer Verschiedenheit sein Reich unter uns finden, um Neues zu gestalten. Ich verstehe unseren Bläserdienst dabei als messianische Übung, in der wir ganz bei der Sache Gottes sind. Aus Erfahrung wissen wir: Es ist eine der Weisen, um es Menschen leichter zu machen, wenn es mit den Worten schwierig wird.

Liebe Schwestern und Brüder hier auf der Studientagung, in der Nordelbischen Kirche ist ein Verein entstanden, der sich „Andere Zeiten e.V." nennt. Jedes Jahr gibt er in einer Auflage von mehr als dreihunderttausend Exemplaren einen Adventskalender der besonderen Art heraus. Einen, der mit Texten einlädt, jeden Tag sich Zeit zu nehmen für Stille und einen Gedanken, der etwas neues erschließt. Zeit, die ganz persönliche Sehnsucht nach Gott zu erspüren. Zeit, Wege zu finden, sie sichtbar werden zu lassen. Zeit für Gott, um zu entdecken, dies wird zum Freiraum für Dich und andere; Freiräume, die helfen, ein Stück Leichtigkeit zu finden, für die Mauern, die es eben auch gibt; Kleinigkeiten, die an freundliche Gesten und schöne Erlebnisse erinnern und zeigen: Reich bist du, wirst du, in der Begegnung mit anderen. Auch das ist eine Art, Gott zu erkennen, sein Reich zu entdecken mitten unter uns und sich hinein nehmen zu lassen in die Sehnsucht, die kräftig unser Leben verwandeln will, mit der Freude darüber, dass Gottes Advent auch dort beginnt, wo wir einander zu Nächsten in Jesu Geist werden, hinzugezählt zu denen, die das Reich Gottes erkennen, erahnen, erspüren können in der Welt. Die sich üben in der messianischer Gymnastik, die Mauern zwischen Menschen nicht als letztes Wort zu nehmen, sondern das Springen wagen: Die himmelwärts sich ausrichten und doch erdennah bleiben. Die seine lebendige Kraft spüren und sie miteinander teilen und die Sehnsucht nähren nach seinem kommenden Reich, weil sie wissen: Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen. Amen

Bernhard Silaschi

 
 
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LOSUNG DES TAGES
Freitag, 28. April 2017
 
Gelobt sei Gott, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die ihm vertraut haben.
 
Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.

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