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Predigten

Einer guten Predigt hört man gerne zu.

Und liest sie gerne nach. Deshalb empfehlen wir an dieser Stelle verschiedene Predigten aus der Posaunenarbeit.

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Predigt des LO auf dem Posaunentag in Heilbronn | 18. Oktober 2009

Liebe Schwestern und Brüder hier in der Kilianskirche beim Heilbronner Posaunentag,

wer von uns wollte sich schon gerne nachsagen lassen: Du hast einen begrenzten Horizont!? Ein solcher Ruf wäre nicht gerade schmeichelhaft. Das hieße ja: Etwas hinterwäldlerisch, provinziell, ja hausbacken zu sein -vielleicht sogar ein wenig kleingeistig. So möchte keiner von uns daher kommen in einer Zeit in der die Welt zusammengerückt ist.
Reisen bildet so sagen wir manchmal – savoir vivre, es ist Lebensart und Kunst zu Leben gleichermaßen – und bedeutet: es bleibt wichtig über den Tellerrand zu schauen, über den eigenen Kirchturm hinauszublicken. Horizonterweiterung in vielerlei Hinsicht ist heute angesagt. Und so liegt das Motto: „Horizonte öffnen“ voll auf der Höhe der Zeit. „OhrenBlickmal“ in Leipzig und als ein gewissen Nachklang hier in Heilbronn, das war auch der Versuch einer gottgewollten Horizonterweiterung in eigener Sache.Horizonterweiterung ist auch unsere Sache in der großen Posaunenchorfamilie, so empfinden wir das; so haben wir es im Leipziger Stadion gesungen und musiziert: „Wir wollen aufstehen, Turmbläser mit Weitsichtaufeinander zugehn, von einander lernen, miteinander umzugehen.“ Oder wie unser Lied gerade sagt: „Halt doch mal ein, im Eilen durch die Tage...“ Diese Stunde miteinander hier ist auch die Einladung den offenen Horizont zu entdecken. Als Christinnen und Christen ist das immer auch ein Teil unseres Lebens, den Glauben zu feiern. Wir lassen uns von Christus rufen, um aus dem eigen Quark zu kommen. Unser Auferstehungsglaube hat solche Auswirkungen, wie wir sie hier in Heilbronn erleben, er öffnet eben Horizonte.

 

Jesu Jüngerinnen und Jünger sind auf ihren Nachfolgewegen durch die Zeit immer auch auf eine solche Horizonterweiterung bedacht. Die Pilgerschaft in der wir unseren Glauben ganz alltäglich leben, geht von der Bedeutung auf das lateinische per agere zurück, dh. „Über den eigen Acker“ hinaus zu gehen; es ist der Mut, sich neuen und unbekannten Situationen zu stellen. Und ich denke bei dieser Bedeutung von Glaubenspilgerschaft auch ein wenig schmunzelnd daran, das wir Ostwestfalen oft als „Schollenkraller“ bekannt sind – sie merken: Ich bin, was das betrifft eher eine westfälische Ausnahme. Aber dieses Bild vom Horizont bleibt eine Herausforderung für unseren Glauben, eben nicht auf der Stelle zu treten, sondern in der Nachfolge auch immer wieder bereit zum Aufbruch zu sein, für das Leben, für die Liebe, für die Hoffnung einzutreten – das ist unsere Berufung. Jesu Geschichten und Gleichnisse öffnen den Horizont, um uns anzuleiten mit Herz und Verstand, Gott und die Welt zu begreifen. Von Anfang an gab es für das, was den Horizont des Glaubens öffnet ein starkes Symbol: Reich Gottes. In vielen Geschichten und Gleichnissen hat Jesus versucht, bei den Jüngerinnen und Jüngern die Sensibilität dafür zu wecken: Das Reich Gottes ist nahe herbei gekommen – der offene Horizont von Glaube, Hoffnung und Liebe, ist manchmal nur einen Schritt weit entfernt. Gottes Reich, das ist der Horizont unseres Glaubens: Menschen haben angestoßen durch Jesus Christus selbst mit Ihren Liedern, Gebeten und Geschichten immer neu versucht dem Horizont des Reiches Gottes auf der Spur zu bleiben. Auch die Jünger damals haben sich wie viele Menschen heute gefragt: Wie geht das weiter? Wie ist das, wenn sich die Horizonte einmal ganz öffnen und wir mit Gottes Reich eine Horizonterweiterung ohne Ende erleben? Wie wird das sein, in Gottes Reich zu sein. Wer ist da der Größte – wer gibt da den Ton an und dirigiert dort? Die Bibel erzählt wie die Jünger ganz weltlich darüber streiten:

Predigttext: Matthäus 18, 1-5 – Der Rangstreit der Jünger

Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich?
Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie
Und sprach: Wahrlich ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.
Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich.
Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.

Liebe Gemeinde,
das ist schon eine ganz besondere Horizonterweiterung: Nicht irgendwo, nicht irgendwann ganz weit weg, sondern hier und heute ganz nah: „Übersieh das Naheliegende nicht!“, höre ich. Jesus holt die Jünger und uns auf den Boden der Tatsachen zurück. Das ist stark. Damit haben sie nicht gerechnet. Sie haben in die Ferne geschaut – wie wir gestern vom Turm der Kilianskirche ins Heilbronner Umland; schauen bis an die Grenze des Horizonts, wenn wir die Welt vermessen mit unserer Phantasie, dorthin, wo die Augen anfangen zu brennen und die Dinge verschwimmen. Und in ihnen klingt noch etwas von der Erregung jenes Erlebnisses nach, als sie kurz zuvor Jesus auf dem Berg verklärt erlebt haben. Wundert es also, dass sie den weiten Blick wagen. Es ist ja unsere Art, wenn wir Grenzen überwinden wollen: Bloß nicht zu kurz denken! Es ist schon erstaunlich wie unaufgeregt Jesus dafür sorgt, dass die Jünger wieder den Boden unter den Füßen finden, auf dem Teppich bleiben wie wir sagen.
Jesus bleibt ganz dicht beim alltäglichen Leben. Übersieh den Horizont zu deinen Füßen nicht! Rück Dir die Maßstäbe vom Scheitelpunkt eines Kinderkopfes zurecht! Schau auf das Naheliegende - dorthin, wo Gott am Werk ist: Gott hat eine ewigkeitsweite Vorliebe für das Kleine: Und Christus liebt es, unsere Perspektive für den Augenblick Gottes zu schärfen: Mit dem Senfkorn, dem Broten und Fischen, den Vögeln unter dem Himmel und den Lilien auf dem Feld. Mit dem Weizenkorn, dass uns vom Geheimnis Gottes erzählt, der Christus vom Tod zum Leben führt, so dass wir singen und sagen können: Christ ist erstanden.

Die „OhrenBlicke“ Gottes können uns den Horizont aufbrechen, uns aus der eigenen Kleinigkeit befreien, den Mut schenken, der fest glaubt und weiß: Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen. Und wenn wir uns in diesen Tagen an den Mauerfall erinnern, dann vielleicht zuallererst daran, dass die friedliche Revolution vor zwanzig Jahren und das große Geschenk der deutschen Einheit in den Kirchen mit Kerzen, Liedern und Gebeten begonnen hat, ganz klein zunächst. In der Horizonterweiterung Gottes, die das Naheliegende nicht übersieht und unsere Maßstäbe zurechtrückt mit einem Kind, steckt eine große Kraft. Wir gewinnen Vertrauen, Hoffnung, Begeisterung, Menschen mit zunehmen auch auf mühevolle Wege, Geduld, Zuversicht, um auch den Kampf gegen die Selbstzweifel zu bestehen, dorthin, wo wir leben und arbeiten. Im Kleinen dieser Welt, an jedem Kind entscheidet sich das Große für das Reich Gottes. Und in diesen Dimensionen zu denken ist wieder ein Thema in diesen Tagen, wenn wir über Kinderarmut reden, wenn wir uns den brennenden Problemen unserer Zeit stellen. Wie oft haben wir im letzten Jahr das Wort Banken- und Finanzkrise gehört. Wie viel an Einsatz ist in Konjunkturprogrammen und, und, und investiert worden – auch um uns die Sorgen zu nehmen - weltweit. In einem Radiobeitrag aus der letzten Woche hieß es dazu: Ein Bruchteil dieser gewaltigen Mittel hätte genügt, um das Problem des Hungers in unserer Welt wirksam zu bekämpfen. Beschämt hat es mir bewusst gemacht: Wir haben vielleicht wieder einmal in die falsche Richtung gesehen, nach dem Großen Ausschau gehalten und die Kleinen in den hinteren Winkeln übersehen und vergessen. Stichwort „Horizonterweiterung“ Jesus ruft sie ja in unseren Blick hinein, die Kleinen, die Vergessenen; an denen die er segnet, entscheidet sich doch auch, ob unser Leben gelingt oder ob wir das Wesentliche, was uns unbedingt angeht, verpassen. Der Ruf zur Umkehr, ist ja auch ein Ruf die Welt mit dem Augenmaß Gottes wahrzunehmen. Das will Christus uns vermitteln. Um solche Horizonterweiterung geht es immer wieder. 

Und dafür stehen für mich unsere Posaunenchöre, diesen Ruf tragen wir weiter; dafür dürfen und sollen wir Hoffnungsträger sein. Was das für Menschen bedeuten kann, habe ich selbst erlebt: Vor genau 18 Jahren kam ich als Pfarrer nach Bad Oeynhausen in die Altstadtgemeinde. Dort gab es einen Posaunenchor. Zu meiner Begrüßung als Pfarrer haben sie gespielt. Zur Begrüßungsfeier im Gemeindehaus haben mich zwei altgediente Bläser begleitet, von ihren Sorgen und Hoffnungen gesprochen, davon, dass sie sich wünschen, dass der Neue sich auch für den Posaunenchor stark macht. Sie haben mir damals einen Schirm überreicht und mich zum Schirmherrn des Posaunenchores ernannt. Das hat mich berührt und bewegt. Ich begann eine Jungbläserausbildung, bald auch meine Frau und nach und nach auch unsere Kinder. Der Posaunenchor wurde unsere Heimat. Im gemeinsamen Musizieren und Leben in und für unsere Gemeinde haben wir einen offenen Horizont erlebt. Es tut gut, wenn man dort, wo man klein ist, in einem Bereich, wo man nicht gleich mit großen Fähigkeiten glänzen kann, angenommen wird. Da kann dann etwas wachsen. Und mitunter lässt sich Gott vielleicht dann nicht den Spaß entgehen, aus dem Jungbläser mit 35 noch einen LO mit 53 zu machen: Die Wege des Herrn sind doch unerforschlich! Und ich will damit sagen: Das Samenkorn des Wunderbaren liegt in solch kleinen Anfängen für die uns Christus die Augen öffnet und unsere Maßstäbe zurecht rückt.
Und es ist ein großes Hoffnungszeichen auf das Reich Gottes hin, wenn ihr mit kleinen und großen Kindern Jungbläserarbeit macht und Euch nicht zu schade seid Schritt und Takt der Kleinen aufzunehmen. Wie liebevoll wir mit den Kleinen umgehen, ist mitentscheidend dafür wie es mit unserem Horizont bestellt ist. Es tut uns allen gut, wenn wir uns erinnern, wie wir angefangen haben. Wenn Euch das immer wieder gelingt, dann ist mir um die Zukunft, um die offenen Horizonte in unseren Posaunenchören nicht bange. "Bläser-Engel" an der Kathedrale St. Etienne in Metz

Liebe Schwestern, liebe Brüder,
Wir brauchen Jesu heilsame Horizonterweiterung; sie klärt, worauf es ankommt in unserem Leben; Jesu offene Horizonte nehmen uns mit jedem Lebensalter in die Schule, machen uns aufmerksam auf das, wo sich Gottes Reich lebensnah entscheidet. Helfen uns das rechte Maß zu finden, um auch im Kleinen das vor Gott Große nicht zu übersehen, um uns selber dabei gar nicht so wichtig zu nehmen. Christus lehrt uns die himmlische Leichtigkeit mit Kinderschritten, die er immer neu segnet.
In unseren Posaunenchören sollen wir uns von dieser Horizonterweiterung Christi inspirieren lassen. Sie öffnet Menschen das Herz, bewegt das Leben, setzt Kräfte frei, in denen Gottes Geist hörbar / sichtbar wirkt in Musik und Wort und uns zeigt, wie nah uns die offenen Horizonte von Gott her kommen – manchmal nur einen Notenständer weit entfernt. Davon will ich singen und sagen.
Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als unser Denken und Verstehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

 

 
 
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LOSUNG DES TAGES
Freitag, 28. April 2017
 
Gelobt sei Gott, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die ihm vertraut haben.
 
Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.

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