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Predigten

Einer guten Predigt hört man gerne zu.

Und liest sie gerne nach. Deshalb empfehlen wir an dieser Stelle verschiedene Predigten aus der Posaunenarbeit.

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Predigt von LO Bernhard Silaschi zum Landesposaunenfest in Schaumburg-Lippe und zum 140-jährigen Jubiläum des Posaunenchores in Großenheidorn I 13. September 2009

Liebe Festgemeinde,

der Predigttext zum heutigen 14. Sonntag nach Trinitatis steht bei:

Lukas 17, 11-19


Und es begab sich, als er nach Jerusalem wanderte, dass er durch Samarien und Galiläa hin zog. Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn Aussätzige Männer; die standen von ferne und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser!
Und als er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter.
Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde? Und er sprach zu ihm: Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen.

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder, gerade wenn unsere Kinder anfangen ihre ersten Worte zu sprechen, bringen wir ihnen ein Wort bei, dass wir für wichtig und unverzichtbar halten. Papa und Mama sagen, das lernen sie von selbst. Aber „Danke“ zu sagen, dazu halten wir Großen sie an. Sag „Danke“ hält die Mutter das Kind an, wenn ihm etwas geschenkt wird. Dankbarkeit ist eine Lebensäußerung, mehr als nur höflich, drückt sie Freude und Aufmerksamkeit des Beschenkten aus. Ohne Dankbarkeit bliebe das Geschenk glanzlos, fiele ein Schatten auf die Zuwendung und die gute Absicht des Schenkenden. Dankbarkeit ist eine zutiefst menschliche Regung, die wir uns egal in welchem Lebensalter nicht ersparen sollten. Viele Sprichworte gibt es, die dazu Mut machen. Ein Deutsches sagt: Dankbarkeit kostet nichts und tut den Menschen wohl und in Schweden heißt es: Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens. Der Popsänger Sting hat einmal gesagt: „Wenn ich musiziere, ist es wie eine Art Gebet: Ein Dank für diese Gabe.“

 


Auch die Bläserinnen und Bläser eines Posaunenchores verstehen etwas von Dankbarkeit. Es ist der Grundton ob wir im Gottesdienst, an Krankenhäusern, in Konzerten oder auf Straßen und Plätzen musizieren. Das steckt ja hinter dem gemeinsamen Anspruch: Zur Ehre Gottes, dem Nächsten zur Freude und zur Erbauung. Das ist das Gemeinsame in all unseren Posaunenchören ob in Mitteldeutschland, in Mecklenburg, ob in Württemberg oder Bayern, aber auch in Südafrika bei den Herrnhutern, in der Schweiz oder in Südamerika. Dort wo Posaunenchöre spielen, klingt und schwingt dieser Dank mit! Dies um so mehr an einem Tag wie heute, wo neben dem Landesposaunenfest des Schaumburg-Lippischen Posaunenchorverbandes der Posaunenchor Großenheidorn sein 140 – jähriges Jubiläum feiert. Und ich denke dabei an meinen Heimatposaunenchor, der genau an diesem Wochenende seinen 111. Geburtstag festlich begeht. Dankbarkeit und Freude, das gehört zu solchen Tagen so selbstverständlich wie Kaffee und Kuchen. Damit sagen wir Gott auch: Es ist eben nicht selbstverständlich, dass wir dieses Fest feiern können. Es bleibt neben allem anderen, die dafür als Menschen Geschichte geschrieben haben, wie Eure Festschrift sehr schön belegt, Gottes großes Geschenk. Und so bringen wir unsere Dankbarkeit in diesem Gottesdienst eben auch im Sinne Paul Gerhardts zum Ausdruck, wie er es in seinem Lied „Die güldene Sonne“ gedichtet hat: „Lasset uns singen, dem Schöpfer bringen/ Güter und Gaben/ was wir nur haben, alles sei Gotte zum Opfer gesetzt!/ Die besten Güter/ sind unsere Gemüter; dankbare Lieder sind Weihrauch und Widder,/ an welchen er sich am meisten ergötzt.“


An den Feiertagen unseres Lebens undankbar zu sein, da würden wir doch wohl nicht richtig ticken! Also, was die Neun sich da leisten, die gesund geworden waren, das ist nur schwer zu begreifen. Nach einer solchen Krankengeschichte – da fragt sich doch jeder unwillkürlich: Ticken die nicht ganz richtig oder was? Danken bevor die Sonne untergeht, lautet eine der Empfehlungen aus der Dankkultur für Gemeinden, dort wo wir Förderung, Unterstützung, Hilfe erfahren. 100 Prozent Erfolgsquote und nur ein Zehntel Reaktion. Was ist hier schief gegangen – vielleicht Widererwarten. Doch halt! Urteilen wir nicht zu schnell über jene Neun, denen wir das Prinzip: Aus den Augen, aus dem Sinn anhängen. Was wissen wir von diesen Zehn, die Jesus irgendwo auf der Landstraße zwischen Samarien und Galiläa begegnen? Sie waren krank, litten an einer unheilbaren Hautkrankheit – eine furchtbare Erkrankung, die bis zur Neuzeit unheilbar war. Zur Zeit Jesu war die Diagnose „Aussatz“ mit furchtbaren Folgen belegt. Sie bedeutete Ausgrenzung aus der Familie, aus allen gesellschaftlichen Bezügen, dann war ein Mensch im radikalsten Sinne nicht mehr gesellschaftsfähig – weit draußen in den Höhlen hatte er zu leben, war als Lebender schon wie lebendig begraben: Halte dich fern von Gott und den Menschen. Das war die dramatische Situation derer, die von dieser Krankheit gezeichnet waren. Ob es dann immer auch Lepra war, sei noch dahin gestellt. Der Verdacht reichte aus – da wollte keiner ein Risiko eingehen. Abgeschnitten von allen Verbindungen – totale Isolation. Was das bedeutet, weiß ich ansatzweise von meiner Arbeit in einer Klinik, wenn Menschen sich den multiresistenten Krankenhauskeim eingefangen haben. Da ist Sicherheitsstufe Rot angesagt, absolute Isolation – Begegnungen nur in Schutzkleidung: Haube, Mundschutz, Kittel, Überschuhe, Gummihandschuhe. Die Angst vor Verbreitung ist eminent. Besuche unter diesen Bedingungen sind alles andere als ein Vergnügen, aber gerade diese Patientinnen und Patienten sehnen sich nach ein Stück ganz normaler Begegnung; nur einfach mit einem Menschen sprechen. Eine Tür durch die Mauer der Ausgrenzung finden:
„Lieber Meister, erbarme dich unser!“ – Ein Wort in dem alle Sehnsucht und Hoffnung nach Leben zum Ausdruck kommt. Jeder und jede von uns kann ganz schnell in eine solche Situation kommen, wo dieses Wort sehr persönlich angesagt ist. Und ich denke an einen unserer Bläser, der kurz vor unserem PoCo-Jubiläum einen Herzinfarkt erlitten hat. Manchmal sind wir selbst von diesen dramatischen Situationen, wo wir aus unser normales Leben herausfallen, uns plötzlich wie Fremde im eigenen Leben fühlen, nur einen Herzschlag weit entfernt.


Gut, wenn wir dann an der richtigen Adresse sind, wie die zehn Leidensgefährten in unserer Geschichte. Die richtige Adresse, das ist nicht nur, ja das ist mehr, als das einer ein Medikament verschreibt, eine sachkundige Erstversorgung leisten kann. Wir hören: Jesus sieht die Menschen, Jesus hört ihren Schrei nach Leben, Jesus lässt sich aufhalten auf seinem Weg – es ist ein Wahrnehmen, dass neue Lebensräume für die Leidtragenden eröffnet. Im ganzen NT eröffnen sich Räume, in denen Wunderbares geschieht, immer wieder auch mit solchem Wahrnehmen. Christus sieht und weiß worum es geht. Wo Krankheit und Not Menschen bedrängen, da steht das Leben auf dem Spiel – da geht es immer um alles. Und wenn wir es genau nehmen: Der Alltag unserer Welt ist eine Intensivstation „Leben“. Da geht es immer wieder ums Ganze – nicht mehr und nicht weniger.


Die Erzählung aber lässt keinen Zweifel offen: In der Person Jesu wendet sich Gott selbst den Menschen zu. Die zehn Aussätzigen begegnen in Jesus nicht etwa einem begabten Arzt, einem Wunderheiler oder einem menschenfreundlichen Therapeuten, sondern sie begegnen dem allmächtigen Gott, dem Schöpfer allen Lebens, der nicht in der Ferne thront, sondern sich der kranken und leidenden Menschen annimmt. So nah wird Gott dir kommen, selbst wenn alle Welt nur von ferne stehen bleibt! Gott bleibt kein Zuschauer, sondern mischt sich für dein Leben ein – schon hier leuchtet der Weg von Kreuz und Auferstehung auf, Jesu eigener Weg. Den verzweifelt Bittenden wird ein neuer Weg eröffnet, nein – auch wenn alle Welt mit ihnen fertig sein sollte – Gott ist es nicht: Ein neuer Weg, ein Anfang tut sich auf:
Geht und zeigt euch den Priestern und es geschah als sie hingingen, wurden sie rein. Völlig unspektakulär wird das als Folge ihrer Bitte genannt, so als wäre es nicht mehr als eine folgerichtige Konsequenz dieser Begegnung. Das kann doch auch nicht spurlos an den anderen neun Geheilten vorbei gegangen sein. Geht es vielleicht am Ende um mehr, als nur um Dankbarkeit als höfliche Geste? Jesus selbst spricht interessanterweise gar nicht von Dankbarkeit, sondern davon, Gott die Ehre zu geben. Der Samaritaner, der Fremde, einer der von den eigentlichen Sitten und Gebräuchen vielleicht gar nicht so viel wusste, ist umgekehrt. Wohin? Zu Jesus, der für ihn nicht nur Heilung im medizinischen, sondern Heil in seiner tiefsten spirituellen Dimension bedeutet. Da geschieht mehr als nur ein dankbares Ritual am Tempel. Er geht dorthin, wo das Leben anfängt, neu wird, erlöst, befreit, an den Ort, wo Gott dem Menschen im Menschen begegnet und Ostern sich hautnah ereignet. Die Gelegenheit dies in seinem Leben zu orten, möchte der eine Geheilte nicht versäumen.


Die Erzählung von den zehn Geheilten legt uns nahe, dass Gott für alle Menschen das Leben will. Er offenbart sich in Jesus als ein heilender Gott, der sich denen, die Hilfe brauchen und ihn darum bitten, wirkliche Hilfe schenkt. Allen zehn, ohne ihre innere Haltung zu prüfen, ihren Glaubenstand zu erheben. Die Erzählung von dem einen, dem Samaritaner, der zu Jesus umkehrt, führt uns daher vor Augen, dass Glaube mehr ist, als nur Freude über eine wiedergewonnene Gesundheit. Ihm ist nicht nur die Heilung, sondern auch das Heil geschenkt, weil er erkannt hat, dass ihm in Jesus Gott begegnet ist. Sein Leben hat sich geändert. Nichts ist mehr so, wie es vorher war. Seine Freude gründet in der Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens.


Das Leben, das Gott schenkt, bedeutet nicht nur die Abwesenheit von Krankheit für die Dauer einer durchschnittlichen Lebensspanne. Was sich wie eine beiläufige Reisenotiz liest, der Hinweis auf Jerusalem, er deutet daraufhin hin, dass vor Jesus nicht nur menschliches Leiden, sondern auch der Tod liegt, den er in Solidarität mit seinen Geschöpfen auf sich nimmt, um uns die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod zu eröffnen. „Steh auf, geh hin, dein Glaube hat dir geholfen." Von den zehn Aussätzigen können wir lernen, unser Leiden vor Gott zu bringen: Wie wir sie zum Ausdruck bringen, in liturgisch geprägter Sprache, wenn wir bitten „Herr, erbarme dich", oder in einem stummen Seufzer, das spielt keine Rolle. Die Klage ist Ausdruck des Glaubens, dass wir von Gott Hilfe erwarten dürfen. Von dem Samaritaner können wir lernen, dass der Dank die angemessene Haltung gegenüber unserem Schöpfer ist. Nicht weil wir ihn schuldig wären, wie ein Pensum, das man zu erbringen hätte, sondern weil er unser Lebensgefühl prägt. Auch gegenüber dem Nächsten, dem kranken Nachbarn, mit dem wir in der Solidarität der Geschöpfe leben, die ihr Leben Gott verdanken. Gesundheit ist keine Leistung, die wir uns zurechnen könnten.
Zu Gott zu beten, ist kein Handel. Das Gebet verändert Gott nicht. Aber das Gebet verwandelt uns. Denn wenn man betet, legt man das, was man nicht vermag, von sich und legt es stattdessen in Gottes Hände, der gesagt hat, dass er Macht hat. Ebenso verwandelt auch der Dank Gott nicht. Alle 10 Aussätzigen wurden ja geheilt, auch die neun, die nicht zu Jesus zurückgehen. Er gibt und heilt ja, ohne Rücksicht darauf, ob er dafür Dank erhält. Der Dank verwandelt Gott nicht. Aber der Dank verwandelt den, der dankt.


Liebe Gemeinde, so möchte ich Feste feiern, wie heute dieses Fest hier in Großenheidorn, so möchte ich Gottesdienst halten mit Euch: Erleben spüren, dass es uns verwandelt, wenn wir Gott die Ehre geben, dankbar von seinen Wundern erzählen, wovon die Posaunenchöre nicht die geringsten sind. Auf diese Weise wollen wir Menschen begegnen, in der Musik vom neuen Leben erzählen, zu dem Gott uns ruft. Wir wissen, das Lob Gottes anzustimmen hat eine große Verheißung. Es eröffnet Lebensräume in denen Gott in der Kraft seines Geistes nahe ist. Jeder der dabei schon einmal mitgewirkt hat und mit einem Posaunenchor ob zum Geburtstagsständchen oder ins Krankenhaus oder Altenheim gegangen ist, der weiß, da geschieht mehr als Menschen allein vermögen. Auch auf diese Weise wird Christus gegenwärtig und der Himmel öffnet sich. Der Weg Jesu nach Jerusalem führt auch mitten durch unsere Lebensorte – hier und heute. Gut, wenn uns dabei die Dankbarkeit verwandelt, gut wenn wir Gott die Ehre geben, gut wenn wir erkennen, das die Lebensräume der Verwandlung oft nur ein Lied weit entfernt sind.
Amen
Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen
 

 

 
 
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LOSUNG DES TAGES
Freitag, 28. April 2017
 
Gelobt sei Gott, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die ihm vertraut haben.
 
Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.

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