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Predigten

Einer guten Predigt hört man gerne zu.

Und liest sie gerne nach. Deshalb empfehlen wir an dieser Stelle verschiedene Predigten aus der Posaunenarbeit.

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Predigt von Lo Bernhard Silaschi auf der EPiD-Begegnungstagung in Fürstenwalde I 9. September 2009

 Predigttext: Mk 7, 31-37

Und als er wieder fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte.
32 Und sie brachten zu ihm einen, der taub und stumm war, und baten ihn, dass er die Hand auf ihn lege.
33 Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel und
34 sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf!
35 Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig.
36 Und er gebot ihnen, sie sollten's niemandem sagen. Je mehr er's aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus.
37 Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.
(Lutherübersetzung)

Liebe Schwestern und Brüder auf unserer Begegnungstagung,

Hephata, Tu Dich auf – im Herz- und Diabeteszentrum, der Klinik in der ich mit der anderen halben Stelle arbeite, ist das medizinisch gesehen ja ein wenig Klinikalltag: Ich denke dabei an die vielen Kathederuntersuchen im Herzkathederlabor. Viele Patienten mit Herzerkrankungen haben diese Untersuchung schon erlebt. Fast standardmäßig wird sie alltäglich vielfach angewandt. Sie ist Routine. Eine Untersuchung, die die Zugänge zum Herzen erforscht: Was ist offen, was ist verschlossen. Wo sind da eventuelle Barrieren, wie gelingen Zu- und Abflüsse zum Zentralorgan Herz; welche Möglichkeiten gibt es, um manches wieder freigängig zu bekommen? Auch das Herz kann keine Mauer gebrauchen – nicht im wirklichen und nicht im übertragenen Sinn. Mitunter besteht die Möglichkeit, wie beider Ballondillertation eine Arterie zu weiten, den Zugang, den Durchfluss wieder zu ermöglichen. Selbst wir Laien wissen: Das ist lebenswichtig! Dort wo Zugänge blockiert sind, besteht die Gefahr des Infarktes, der Unterversorgung; es gelangt nicht mehr genügend Sauerstoff an diesen so unermüdlich pumpenden Muskel. Unser Herz braucht freie Zugänge. Medizinisch gesehen, wird dafür alles heute menschenmögliche getan. Wir können weiten, einen Stand setzen, oder eine Umgehung, einen Bypass legen. Medizinische Möglichkeiten um Blockaden, Verschlossenes zu überwinden, neue lebensnotwendige Zugänge zu schaffen. Ein Stück modernes Hephata: Tu dich auf.
Um Blockaden und Verschlossenes geht es auch in unserem Predigtabschnitt.

 

Menschen mit Behinderungen leiden unter diesen Blockaden, darunter, dass Ihnen wichtige Lebensbereiche verschlossen bleiben; darunter, dass sie wie vor einer unüberwindlichen Mauer stehen. Wir reden heute von Barrierefreiheit und wissen: Ganz oft gibt es für Menschen mit Erkrankungen oder einer Behinderung wie im Evangelium ganz hohe alltägliche Hürden. Das war damals so und es ist auch trotz manchen Fortschritts noch heute so. Das „Hephata“ – das Tu Dich auf! – ist oft leichter gesagt als getan. Wenn wir hier chronische kranke oder behinderte Menschen interviewen würden (und vielleicht hat jeder von uns ja auch so eine Geschichte), dann würden wir sehr schnell wahrnehmen, wie viel Verschlossenheit da ist, uns begegnet, wir unter uns, um uns und vielleicht noch wichtiger: In uns spüren. Es ist nicht so leicht und einfach mit dem Tu dich auf. Hephata, das ist für uns alle kein Zauberwort. „Ein Sesam-öffne-dich“ für menschliche Sorgen, Nöte, Probleme, wer das wüsste und hätte, der wäre gemacht. Und auch wenn es unseriöse „Wunderheiler“ gab und gib – wir wissen, gesund und heil zu werden, das braucht mehr als oberflächlichen Hokuspokus, wo die Anbieter meistens nur auf materiellen Gewinn aus sind.
Was braucht es aber, worauf kommt es an, wenn es darum geht, dass Zugänge eröffnet, Mauern und heillose Blockaden überwunden werden sollen? Was braucht es, wenn das, was wir lesen, für uns nicht nur eine ferne Vergangenheit, sondern eine gegenwärtige Erfahrung werden soll: Wir hier und heute etwas von dieser befreienden, lösenden, öffnenden Kraft des Evangeliums, das Christus in Wort und Tat verkündigt hat, auch erleben und erfahren. Was braucht es? Sehen und hören wir noch einmal genau hin, mit den äußeren Sinnen Augen und Ohren gut, aber besser noch mit dem Herzen!


Wenn wir die Ortsbeschreibung, die zu Anfang genannt wird auf der Karte nachverfolgten: Tyrus, Sidon, Gebiet der zehn Städte, galiläisches Meer – das ist der See Genezareth, dann würden wir schnell sehen, dass Jesus sich immer wieder im Grenzland und darüber hinaus bewegt: Er ist da, wo ein frommer Jude seiner Zeit nur ungern war – im Ausland, zwischen Menschen, die andere Sitten, Gebräuche, ja einen anderen Glauben hatten – ein Grenzgänger für das Reich Gottes, sowohl hüben wie drüben. Sich auf fremden Terrain zu bewegen, vielleicht auch sprachlich an seine Grenzen zu gelangen, das macht unsicher. Ich kenne mich nicht mehr aus. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich werde dann stiller, verstumme vielleicht sogar. Und Jesus geht ja dorthin nicht als Tourist, sondern als einer, der noch etwas zu sagen und zu geben hat. Und die Menschen, die ihn nicht kennen, spüren das. Wir spüren das, wenn einer Ausstrahlung hat, wir nehmen, wahr, wenn uns eine ganz tiefe Menschlichkeit in einem Mann, in einer Frau begegnet. Eine Menschlichkeit, in der wir etwas von der Wirklichkeit Gottes spüren. Und ich denke dabei an Begegnungen mit Frere Roger in Taizé in Frankreich, an Gestalten wie Franz von Assisi, Mutter Teresa – beispielsweise. Sie waren von Christus durchdrungene Menschen. Und manche von uns sind auch in der Posaunenarbeit von solchen Menschen geprägt worden. Und ich merke: es braucht gar nicht viele Worte. Es waren Menschen, die in der Nachfolge Jesu Kontakt zu Menschen gefunden haben. Die Distanz überbrücken konnten, in deren Nähe sich einer wohl- und angenommen fühlte, die etwas weiter gegeben haben. Welch ein wunderbares Erlebnis: Du musst nichts sein, um angesehen zu werden – bei Gott bist du schon jemand – vom ersten Tag an.
„Sie brachten zu ihm einen, der taub und stumm war, und baten ihn, dass er die Hand auf ihn legte.“ Das ist ein großes Zutauen, dass Jesus dort in der Fremde begegnet. Handauflegen, das ist ein Urgestus des Segnens. Spüre, was Dir gut tut an Leib und Seele, sei verbunden mit dem, was Mutter und Vater so oft und so liebevoll für Dich getan haben, spüre den väterlichen Segen Gottes, der mehr ist als Worte sagen, seinen Shalom, seinen Frieden, seine Ruhe.


Zunächst einmal geht Jesus aus der Menge heraus, so heißt es: Er lässt den Trubel hinter sich. Wirkliche Zuwendung braucht auch geschützte Räume, auch manchmal ein Abseits, die Ruhe. Jesus liegt offenbar gar nichts am Präsentierteller, das wird später, als er nicht möchte, dass das Heilwerden beredet, zerredet wird, deutlich. Einen Menschen wahrnehmen, sich ganz auf ihn einlassen, seine Not zu spüren, braucht diese Zuwendung, überwindet Distanz. Menschlichkeit hat es immer auch mit solcher Nähe zu tun, der es gelingt, Entfremdungen zu überwinden. Ein erster Schritt auf dem Weg des „Tu dich auf!“ Wie oft wünschen sich Patientinnen und Patienten in einer Klinik einem Krankenhaus dieses Erlebnis mit Ärzten, mit Pflegenden. Ich höre es so oft in Gesprächen, wie wertvoll es ist, wenn sich ein Arzt Zeit nimmt, zuhört, den Patienten ernst nimmt – Zugänge öffnen sich, die für die richtige Diagnose und Therapie unverzichtbar sind. Wenn das auf der Strecke bliebe, wären alle medizinischen Maßnahmen nur ein mechanisches Einwirken auf unseren Körper. Wir wissen alle: Wir sind Menschen mit Körper, Geist und Seele und wir sind Menschen und möchten als solche Menschen angesehen / angehört sein! Und ich denke dabei auch, wie es in unseren Chören ist, ob Probe oder Einsatz, wir brauchen Zeit, Ruhe, Vorbereitung und Besinnung; wir brauchen es, dass wir uns ganz auf den Augenblick einlassen.


Und dann geschieht etwas, was so sicherlich keiner erwartet hatte: Jesus kommt dem Gehörlosen ganz nah, distanzlos nah: Er geht mit seinen Fingern in dessen Ohren, berührt seine Zunge mit Speichel. Was soll das? Warum dieses Eindringen in den Intimbereich, warum dass Überschreiten einer Grenze, vor der wir zurück zucken? In einer Zeit von Gummihandschuhen, Schutzkleidung, Krankenhauskeimen und Hygienevorschriften geht das doch wohl wirklich zu weit! Es zeigt uns aber auch übertragen verstanden, wie weit Jesus bereit ist zu gehen. Er bleibt nicht an unserer Oberfläche hängen. Er berührt uns im Innersten. Wenn es um Glaube, Liebe und Hoffnung geht, dann geht es immer auch um diese innerste Berührung. Wenn es um wirkliches Gesund-, ja um Heilwerden geht, dann kommen wir ohne diese innerste Berührung vielleicht gar nicht aus. Dann ist es nicht getan mit ein paar guten Gesten. Zuwendung hat auch etwas damit zu tun, dass ich etwas von mir selber gebe, das kann und darf ich mir nicht ersparen. Und wirkt das, wovor wir in dieser Geschichte ein wenig zurückzucken, nicht auch weiter, bspw. im Abendmahl, wenn wir so selbstverständlich sagen: Christi Leib für dich gegeben, Christi Blut für dich vergossen. Du sollst Christus in dir spüren, da geht es weiß Gott um mehr, als nur ein wenig Spucke. Da leben wir von der Wirkkraft seines Heils, dass er am Kreuz und in der Auferstehung uns durch alle Zeit vom Vater her schenken will. „Tu dich auf!“, Christi Auferstehung macht dieses Wort zum Anspruch für unsere Gegenwart, für unsere Zukunft. Unser Glaube, unsere Hoffnung, die Liebe, die wir geben und empfangen, ist darauf angelegt die Blockaden der Heillosigkeit zu überwinden, Zugänge zu eröffnen, die Gott selber schenkt: Mit meinem „Gott kann ich über Mauern springen“, diese Erfahrung ist ein Teil unserer Geschichte, gerade auch im Posaunendienst. Wir haben ja die Gabe der Musik erhalten als ein Schlüssel, um Herzen von Menschen zu erreichen und Mauern und Barrieren zu überwinden – wir sind dankbar für die geschenkte Einheit, was jenseits unserer Unmöglichkeiten von Gott her möglich wird. Es soll eine Erfahrung unserer eigenen christlichen Existenz werden, dass das Wort des Evangeliums so wirken kann, uns mit Herz und Sinn heilsam zu erreichen vermag. Christus sieht zum Himmel, sein Seufzer wird zum Gebet. Es weißt uns darauf: Das Evangelium, die frohe Botschaft vom Heilwerden in Gott, davon, dass sich uns neue Lebensmöglichkeiten eröffnen, das Hephata, das Tu dich auf auch unser Herz im geistlichen Sinn erreicht, das ist und bleibt ein wunderbares Handeln Gottes an uns. Dort, wo es bis heute geschieht, spüren wir etwas von der Auferstehungskraft Christi in unserem Leben. Und wo wir diese Kraft spüren, da haben wir sie nicht bloß für uns, sie ist uns geschenkt zum Teilen, Evangelium drängt weiter über uns hinaus auf dieses „Tu dich auf“!


Und sogleich taten sich seine Ohren auf und die Fessel seiner Zunge löste sich und er redete richtig! Das „Tu dich auf!“, bewirkt, dass ein Mensch wieder am Leben teilnehmen kann, nicht weiter ausgeschlossen bleibt. Das Wunderbare ist manchmal nur ein Fingerbreit entfernt, vielleicht so nah wie der Speichel auf unserer Zunge. Unser Problem ist es: Wir sehen und hören nur oft nicht richtig, wir trauen den Möglichkeiten Gottes zu wenig zu. Und ich denke wirklich an Erlebnisse und Erfahrungen aus der Gehörlosenseelsorge. Bis vor ganz wenigen Jahrzehnten, berichtet meine Frau als Gehörloseenseelsorgerin, hat man gehörlose Menschen mehr oder weniger angehalten oder auch gezwungen, sich lautsprachlich zu äußern. Aber gehörlose Menschen haben ihre eigene Sprache gefunden: So ist die Gebärdensprache – Gott sei Dank – inzwischen eine anerkannte Sprache. Eine Sprache, die gehörlosen Menschen ermöglicht hat, sich auszudrücken, zu kommunizieren, Barrieren und Grenzen zu überwinden, sogar zu singen. Sie haben in jeder Klinik, dort wo es um ihre Rechte und Belange geht, Anspruch darauf, dass sie verstanden werden und selbst verstehen und wenn nötig ein Gebärdendolmetscher hinzugezogen wird. Es gibt mehr Zugänge als wir oft denken. Jesu „Hepahta“ ist auch eine Herausforderung an uns, uns zu öffnen, Phantasie und Kreativität spielen zu lassen. Wo Menschlichkeit und Zuwendung schon Wesentliches bewegen, da sollten wir nicht vorschnell nach Gottes Wunder fragen. Wir sind nicht daraus entlassen, das uns Mögliche zu tun, z.B. durch den guten Klang unserer Chöre auch auf Gottes Stimme in der Musik zu verweisen. Glaube denkt von Gottes Möglichkeiten her und erlebt Erstaunliches. Und unser Vertrauen auf die Menschlichkeit Gottes hat dazu die Verheißung, dass uns nur wenig vom Raum des Wunderbaren, in der das Evangelium kraftvoll wirkt, trennt. Und ich bin davon überzeugt, dass wir auf diese Weise auch bei denen sind, die sich über die Maßen wundern und sprechen: „Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.“

Amen
 

 
 
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LOSUNG DES TAGES
Freitag, 28. April 2017
 
Gelobt sei Gott, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die ihm vertraut haben.
 
Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.

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